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Wiederholungen können Entscheidungen steuern

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    In der psychologischen Forschung wurde lange gerätselt, warum Menschen oft an altbewährten Verhaltensmustern festhalten, selbst wenn objektiv bessere Alternativen zur Verfügung stehen. Eine Untersuchung von Wagner, Wolf & Kiebel (2025) hat aufgezeigt, dass die bloße Wiederholung vergangener Handlungen aktuellen Entscheidungen weitaus stärker prägt als bisher vermutet. Dafür analysierte man Daten von über 700 Teilnehmenden aus insgesamt 15 Datensätzen, um zu verstehen, wie Lernprozesse in spezifischen Kontexten spätere Präferenzen in völlig neuen Umgebungen beeinflussen.

    Mithilfe eines dafür entwickelten hierarchischen Bayesschen Reinforcement-Learning-Modells, das auf den zwei Prinzipien des belohnungsbasierten Lernens und der Handlungswiederholung basiert, konnte man belegen, dass diese Kombination ausreicht, um verzerrte Entscheidungsmuster in stabilen Umgebungen präzise zu erklären. Dieser sparsame theoretische Ansatz übertraf in der mathematischen Modellierung herkömmliche Erklärungsversuche wie die Wertnormierung deutlich und bietet somit eine wesentlich realistischere Beschreibung menschlicher Routinen, Kaufentscheidungen und Alltagsgewohnheiten.

    Die Ergebnisse verdeutlichen, dass vermeintlich irrationale Entscheidungen oft nicht aus einer komplexen, relativen Abwägung von Werten resultieren, sondern schlicht aus der tief verwurzelten Tendenz entstehen, einmal bevorzugte Aktionen kontextspezifisch zu wiederholen. Diese Form der Handlungswiederholung fungiert dabei als eine Art effiziente mentale Abkürzung, denn sobald eine Option in einem bestimmten Rahmen häufiger gewählt wurde, wird sie in späteren, auch veränderten Situationen nicht nur bevorzugt, sondern von den Handelnden subjektiv auch als qualitativ besser und mit weniger Unsicherheit behaftet eingestuft. Letztlich zeigte sich, dass die Erinnerung an das eigene frühere Handeln oft schwerer wiegt als das rationale Abwägen von Vor- und Nachteilen, was weitreichende Implikationen für die Verhaltensforschung sowie die gezielte Gestaltung von Entscheidungsumgebungen in der Praxis hat.

    Literatur

    Wagner, B. J., Wolf, H. B., & Kiebel, S. J. (2025). Action repetition biases choice in context-dependent decision-making. Communications Psychology, 3(1), doi:10.1038/s44271-025-00363-x

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