Augen schließen, um die Konzentration zu fördern


Im Allgemeinen ist  man der Ansicht, dass man mit geschlossenen Augen konzentrierter Zuhören kann als mit offenen. Wöstmann, Schmitt & Obleser (2020) haben nun in einem Experiment die Gehirnströme beim Zuhören mit offenen und geschlossenen Augen untersucht. Die Studienteilnehmer hörten unter den verschiedenen Bedingungen Zahlwörter, die abwechselnd von einer männlichen und einer weiblichen Stimme gesprochen wurden, wobei sie nur einer der beiden Stimmen zuzuhören und die andere ignorieren sollten. In den Gehirnströmen fanden die Forscher schnell ein klares Muster, denn immer dann, wenn die Probanden konzentriert zuhörten, stieg die Größe der Alpha-Wellen um etwa 10 Schwingungen pro Sekunde, während diese beim Weghören wieder kleiner wurden. Die Studienteilnehmer konnten dabei das rhythmische Auf und Ab der Alpha-Wellen durch das Schließen der Augen deutlich verstärken, was bedeutet, dass das Schließen der Augen somit für eine schärfere Trennung von relevanten und störenden akustischen Signalen im Gehirn sorgt. Überraschend war hingegen, dass sich die Leistung beim Zuhören mit geschlossenen Augen nicht auswirkte, denn das Schließen der Augen hatte in diesem Experiment keinen Einfluss darauf, wie gut die Studienteilnehmer nach der Höraufgabe angeben konnten, ob einzelne Zahlwörter zuvor zu beachten waren oder nicht. Das konnte in einem weiteren Experiment, bei dem ein Ton vor einem Hintergrundrauschen erkennen mussten, bestätigt werden. Dennoch ist vom Schließen der Augen beim Zuhören nicht abzuraten, denn wenn es jemand beim konzentrierten Zuhören gut tut, die Augen zu schließen, sollten man dies tun. Diese Untersuchung zeigt jedoch deutlich, dass das Schließen der Augen keinesfalls ein Allheilmittel ist, um die objektive Hörleistung zu steigern.

Literatur

Wöstmann, M., Schmitt, L.-M., & Obleser, J. (2020). Does Closing the Eyes Enhance Auditory Attention? Eye Closure Increases Attentional Alpha-Power Modulation but Not Listening Performance. Journal of Cognitive Neuroscience, 32, 212-225.







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