Verzeihen fördert die Gesundheit

Lieben uns die Frauen, so verzeihen sie uns alles,
selbst unsere Vergehen; lieben sie uns nicht,
so verzeihen sie uns nichts, selbst unsere Tugenden nicht.
Honoré de Balzac

Frederic Luskin hat 259 Menschen, die zuvor in ihrem Umfeld gekränkt und beleidigt worden waren, darin unterrichtet, den Beleidiger bzw. Kränker zu vergeben. Nach diesem Vergebungstraining ging es ihnen gesundheitlich geistig und körperlich erkennbar besser: sie klagten über weniger Stress und weniger Rückenschmerzen, sie litten weniger an Schlaflosigkeit und auch die Magenbeschwerden ließen nach. Depressionen wurden gelindert, der Blutdruck sank und das Körpergewicht nahm ab.

Der Prozess des Vergebens übt auch einen großem Einfluss auf neurologische und psychische Strukturen aus, wobei das Gehirn und die Hormone dabei die Hauptrolle spielen. Einer Studie zufolge ist Vergebung in erster Linie von  Oxytocin abhängig, das mit der Amygdala interagiert und die negative Reaktion auf die Kränkung auflöst. Dadurch wird ein Warnmechanismus im Gehirn unterbrochen und die Skepsis dem Kränkenden gegenüber reduziert, sodass die unbewusst entstehende Angst durch Vertrauen ersetzt wird. Die Fähigkeit, jemandem verzeihen zu können, führt daher insgesamt zu einem erhöhten Einfühlungsvermögen und beeinflusst die kognitiven Regulation von Emotionen positiv.

Forschung

Robert Enright, Gründer des internationalen Instituts für Vergebungsforschung: „Wir finden jetzt mit wissenschaftlichen Methoden heraus, was wir seit Tausenden von Jahren wissen könnten: Vergebung tut psychisch und körperlich gut.“ Ein verletzter Mensch muss zur Kränkung stehen und der Person, die ihm das angetan hat, sagen, was ihn so gekränkt hat. Vergeben heißt aber nicht, dem anderen die Schuld zu nehmen und schon gar nicht, sich gleich mit ihm zu versöhnen. Wer nicht verzeihen kann, leidet selbst am allermeisten, denn an nichts ist man so gebunden wie an seinen Feind, jedoch funktioniert Vergebung nicht von heute auf morgen, denn man braucht dafür Zeit und auch Distanz. Selbstsichere, gefestigte Menschen verzeihen leichter, während sich emotional instabile Personen damit eher schwertun, und auch wer gewissenhaft und besonders extrovertiert ist, verzeiht schneller.

Praktischer Tipp

Nehmen Sie sich einmal die Zeit, um ganz in Ruhe für sich herauszufinden, welche Verletzungen Sie bis zum heutigen Tag nicht vergessen können. Schreiben Sie diese auf und fragen Sie sich dann Folgendes:

  • Warum kann ich nicht vergessen, nicht loslassen?
  • Was ist es, das mich festhalten lässt?
  • Was könnte der Nutzen sein, dass ich nicht wirklich loslassen will?
  • Was erhoffe ich mir?
  • Ist der (tatsächliche oder auch nur erhoffte) Nutzen tatsächlich den Schmerz wert, den das Nicht-Vergessen-Können auslöst?

Mit diesen Fragen kommt man meist sehr tief an den Schmerz, was vielen oft Angst macht, doch wenn man einmal erkennt, was es ist, das nicht vergessen lässt, bekommt man neue Möglichkeiten, damit umzugehen. Nur an der Wurzel sitzt auch die Möglichkeit der Heilung.

Er empfielt ein Verzeihen in vier Etappen:
Sich den Übeltäter und das Vergehen vor Augen führen und sich fragen:

  • War es wirklich so schlimm, dass ich jetzt für immer böse auf ihn/sie sein muss?
  • Kann es zumindest einen guten Grund für das Fehlverhalten dieses Menschen geben, den ich verstehen kann?
  • Geben Sie sich einen Ruck und dem Übeltäter noch eine Chance!
  • Sie haben wirklich Grösse! Geniessen Sie es!

Siehe auch Verzeihen und loslassen

Spezialtipp: „die nicht verzeihen“ Roman von Claudia Taller!

Quellen
http://www.zune24.eu/gesundheit/schlank-und-gesund-durch-vergebung/ (08-10-02)
Zeit zu leben-Newsletter 501 vom 14.02.2010
OÖN vom 6. April 2012




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