Psychologie des Wohlbefindens – Pursuit of Happiness

Ed Diener (University of Illinois) schrieb 1984 den Artikel „Subjective Well-Being“ im Psychological Bulletin und schuf damit eine Grundlage für die Psychologie des Wohlbefindens („Pursuit of Happiness“). Seither beschäftigen sich die Wissenschaftler dieser Disziplin sich mit der Lebenszufriedenheit und den Faktoren, die glücklich machen. Dabei unterscheidet man zwischen aktuellem Wohlbefinden und „habituellem Wohlbefinden“, also zwischen momentaner und längerfristiger Lebenszufriedenheit.
Ein wesentlicher Faktor des Wohlbefindens ist der individuelle „Set-Point“, der Sollwert, der zumindest zum Teil genetisch bedint. David Lykken und Auke Tellegen (University of Minnesota) fanden in Studien mit getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen, dass deren Lebenszufriedenheit relativ ähnlich war, auch wenn sie in vollkommen unterschiedlichen sozialen Umwelten aufgewachsen waren.
Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass sich der seelische Sollwert im Laufe des Lebens auf Grund emotional einschneidender Ereignisse auch dauerhaft verändern kann. Durch schwere emotionale Krisen kann sich dieser Sollwert allerdings dauerhaft in den Negativbereich verschieben. Maike Luhmann und Michael Eid (FU Berlin) zeigten, dass sich bei mehrfachen Auftreten von starken emotionalen Ereignissen, etwa mehrmaliger Arbeitslosigkeit oder mehreren Schicksalsschlägen, der Level der Lebenszufriedenheit sehr stark ins Negative verschieben kann. Nach nur einem kuzzeitig wirksamen positiven oder negativen Gefühlserleben kehren aber die meisten Menschen auf ihren „normalen“ Wohlbefindlichkeitsstand zurück.
Aber es gibt folgerichtig auch Möglichkeiten, das eigene Wohlbefinden positiv zu beeinflussen. Mit folgenden Strategien kann man aber sein Wohlbefinden steigern kann:

  • Ziele verfolgen, die man persönlich sehr wertschätzt;
  • sich positiven Aspekten des Lebens öffnen;
  • sich aktiv für andere Menschen einsetzen und ihnen helfen;
  • soziale Kontakte pflegen und
  • positive Gefühle anderen gegenüber ausdrücken und kultivieren.

Sonja Lyubomirsky (University of California Riverside) wies nach, dass glückliche Menschen länger leben, gesünder, kreativer, produktiver und beruflich erfolgreicher sind, sich gesellschaftlich stärker engagieren und befriedigende soziale Beziehungen haben.

Schlüsselereignisse und ihre Folgen

Im Leben eines Menschen gibt es einige einschneidende Erlebnisse, die nicht so ohne Weiteres verarbeitet werden können. Luhmann et al. (2012) haben in einer Metastudie 188 Arbeiten analysiert, in denen über einen längeren Zeitraum kritische Lebensereignisse von über 65000 Menschen verfolgt worden waren, darunter vier familiäre Ereignisse (Heirat, Scheidung, Tod eines Angehörigen und Geburt eines Kindes) und vier berufliche Marksteine (Arbeitslosigkeit, Wiederbeschäftigung nach Arbeitslosigkeit, Ruhestand und berufsbedingter Umzug). Dabei wurden für jedes kritische Lebensereignis durchschnittliche Änderungsraten des Wohlbefindens für die Zeit nach dem Ereignis berechnet, wobei sie das Wohlbefinden nach kognitivem und gefühltem Glück aufschlüsselten. Kognitives Wohlbefinden entspricht der allgemeinen eher rationalen Bewertung des eigenen Lebens, also mehr oder minder der allgemeinen Lebenszufriedenheit, die jemand äußert. Gefühltes Glück oder affektives Wohlbefinden bezog sich hingegen darauf, was Menschen fühlen und nicht so leicht benennen können.

  • Arbeitslosigkeit: Nachdem die befragten Personen arbeitslos wurden, waren sie deutlich schlechter gelaunt, was sich auch Jahre danach nicht änderte, und auch die Lebenszufriedenheit nahm kurz nach Beginn der Arbeitslosigkeit ab, stieg danach kontinuierlich an, erreichte aber erst drei Jahre danach ihren Ausgangszustand. FArbeitslosigkeit ist offensichtlich eein sehr negatives Ereignis, an das Menschen sich erst nach über drei Jahren anpassen können.
  • Die Freude über eine Wiederbeschäftigung hielt sich in Grenzen und stieg im weiteren Verlauf nur leicht an, wobei die Lebenszufriedenheit sogar abnahm und  erst zehn Monate nach Wiederbeschäftigung wieder ihren Ausgangswert erreichte. Offensichtlich erwarteten sich die Wiederbeschäftigtem zu viel und waren enttäuscht, als ihre Erwartungen nicht zutrafen.
  • Die Menschen waren nach ihrer Versetzung in den Ruhstand fröhlicher als zuvor, sie waren jedoch mit ihrem Leben danach unzufriedener, und es dauerte etwa fünf Jahre, bis sie sich gedanklich daran gewöhnt hatten. Durch den Ruhestand wurde der Tag offensichtlich unstrukturierter, die Ruheständler trafen weniger Menschen, verdienten weniger, was sich alles auf die Lebenszufriedenheit auswirkt.
  • Von allen Ereignissen macht ein Umzug am glücklichsten und auch emotional wurde das Leben nach dem Ortswechsel für besser befunden. Vermutlich überschätzen Menschen die negativen Auswirkungen eines Umzugs.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Menschen gedanklich und gefühlsmäßig noch Jahre damit zu kämpfen haben. Besonders gravierend waren die Folgen einer Arbeitslosigkeit, nach der das Wohlbefinden über Jahre hinweg deutlich abnahm, aber auch eine Wiederbeschäftigung und teilweise der Ruhestand hatte negative lang andauernde Gefühle zur Folge.
Die Ergebnisse zeigen, dass das Wohlbefinden doch nicht so schnell zum Ausgangsniveau zurückkehrt, wie Glücksforscher manchmal behaupten.

Die sechs Säulen des Wohlbefindens

Für längerfristiges Wohlbefinden benötigt man positive Emotionen, eine Aufgabe, für die man brennt, stabile Beziehungen und einen Sinn im Leben, sei es privat oder beruflich. Zu viel Aktivität kann dieses Wohlbefinden zerstören, d. h., man benötigt Rückzugsorte und Zeiten der Stille, also Zeiten, in denen man einfach ruhig werden, reflektieren und bei sich sein kann. Nach Carol Ryff (1989) sind die sechs Säulen des Wohlbefindens Selbstakzeptanz, soziale Beziehungen, Autonomie, Lebenszweck, aktive Umweltgestaltung und persönliches Wachstum.

Literatur

Luhmann, Maike,  Hofmann, Wilhelm,  Eid, Michael & Lucas, Richard E. ( 2012). Subjective Well-Being and Adaptation to Life Events: A Meta-Analysis. Journal of Personality and Social Psychology, 102, 592–615.
Ryff, C. (1989). Happiness is everything, or is it? Explorations on the meaning of psychological well-being. Journal of Personality and Social Psychology, 57, 1069–1081.
Ryff, C., & Keyes, C. (1995). The structure of psychological well-being revisited. Journal of Personality and Social Psychology, 69, 719–727.
http://www.liberalarts.wabash.edu/ryff-scales/ (05-11-17)

 

 




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