Gehirndoping

4. Januar 2010 – 16:55

Hinter dem Begriff Gehirndoping verbergen sich keine Wunder-Pillen zur Herstellung von Klugheit, Denkvermögen und Urteilsfähigkeit, sondern schlicht Medikamente, wobei zu den wirksamsten Substanzen schon seit mehr als 70 Jahren bekannten Amphetamine zählen, etwa das seit 50 Jahren gebräuchliche Methylphenidat sowie Modafinil, wobei diese Substanzen relativ unspezifisch über eine Forcierung des Botenstoffes Dopamin wirken, der im Gehirn an Schlüsselstellen bindet. Von einer selektiven Wirkung auf spezifische Hirnfunktionen kann aber keine Rede sein. Dabei bestimmten die Nebenwirkungen in beträchtlichem Maß über die Akzeptanz dieser Pillen, die medizinisch nicht notwendig sind, denn niemand will seine Gesundheit gefährden, nur um wacher, konzentrierter und besser gestimmt durchs Leben zu gehen. Allerdings ist eine gesteigerte Dopamin-Wirkung, wie sie viele dieser Mittel anstreben, ein unkalkulierbares Risiko, denn schon bei der Kurzzeitanwendung können diese Medikamente bei entsprechender Veranlagung aggressiver machen, denn die Fähigkeit, aggressive Handlungsimpulse zu kontrollieren, ist durch diese Medikamente nachhaltig gestört. Die Auslösung von Manien oder Psychosen ist insbesondere bei der langfristigen Einnahme von Amphetaminen wahrscheinlich (Geyer, 2010).

Florian Rötzer berichtet in TELEPOLIS, dass nach einer Umfrage an 1400 Menschen aus 60 Ländern des Wissenschaftsmagazins Nature ein Fünftel Medikamente zur kognitiven Leistungssteigerung, vor allem Ritalin verwendet. Danach ist Ritalin (62%) am populärsten, das zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen verwendet wird, gefolgt von Modafinil oder Provigil (44%), mit dem Schlafstörungen behandelt werden und Betablockern (15%), die Stress, Anspannung und Angst reduzieren. Ein Drittel der Medikamente wurde schon über das Internet gekauft! Als Medikamente zur Leistungssteigerung wurden Amphetamine genannt, aber auch alternative Stoffe wie Ginkgo – das nachweislich wirkungslos ist! – oder Omega-3-Fettsäuren. Die Hälfte der Befragten berichtete von Nebenwirkungen (Kopfweh, Schwindel, Schlaflosigkeit, Angst). Ein Drittel der Befragten erklärte, dass sie diese Medikamente auch ihren Kindern geben würden, um deren Karriere zu fördern, wenn auch andere Kinder in der Schule diese nähmen.

Bei der Beurteilung, ob sich das menschliche Gehirn medikamentös beeinflussen lässt, ist es relativ schwierig, eindeutige Antworten zu finden, denn auch Kaffee steigert schon künstlich die Leistung des Gehirns. Problematisch wird es, wenn man verschreibungspflichtige Mittel einsetzt wie Ritalin der Modafinil, die wie oben erwähnt für Erkrankungen entwickelt wurden. Allerdings ist auch bei diesen Medikamenten unklar, wie stark der leistungssteigernde Effekt bei gesunden Menschen tatsächlich ist, denn ein erheblicher Teil der Wirkung ist vermutlich auch ein Placeboeffekt. Schon der Gedanke, dass man ein leistungssteigerndes Mittel eingenommen hat, steigert die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Bei Medikamenten sollte man immer nach den meist unbekannten Nebenwirkungen und Langzeitfolgen fragen. Da sich derzeit schon viele heimlich dopen, wird man dieses Phänomen in einigen Jahren seriöser beurteilen können.

Angeblich fördern die vor allem in Fischen enthaltenen Omega-3-Fettsäuren das Gehirn und das Denkvermögen. Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine verabreichten in einem Experiment 900 gesunden Menschen im Alter von 70 bis 80 Jahren entweder Fischölkapseln oder ein Placebo. Zwar steigerten die Kapseln mit Fischöl tatsächlich die Konzentration von Omega-3-Fettsäuren im Blut, doch während des zweijährigen Untersuchungszeitraums blieben Gedächtnis und Konzentration der Studienteilnehmer unverändert.

Quellen:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27695/1.html (08-04-11)
Frankfurter Neue Presse Artikel vom 2. Juli 2010
Geyer, Christian (2010). Was ist dran am Hirndoping?
WWW: http://m.faz.net/ (10-07-14)

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