Gehirndoping
4. Januar 2010 – 16:55
Florian Rötzer berichtet in TELEPOLIS, dass nach einer Umfrage an 1400 Menschen aus 60 Ländern des Wissenschaftsmagazins Nature ein Fünftel Medikamente zur kognitiven Leistungssteigerung, vor allem Ritalin verwendet. Danach ist Ritalin (62%) am populärsten, das zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen verwendet wird, gefolgt von Modafinil oder Provigil (44%), mit dem Schlafstörungen behandelt werden und Betablockern (15%), die Stress, Anspannung und Angst reduzieren. Ein Drittel der Medikamente wurde schon über das Internet gekauft! Als Medikamente zur Leistungssteigerung wurden Amphetamine genannt, aber auch alternative Stoffe wie Ginkgo – das nachweislich wirkungslos ist! – oder Omega-3-Fettsäuren. Die Hälfte der Befragten berichtete von Nebenwirkungen (Kopfweh, Schwindel, Schlaflosigkeit, Angst). Ein Drittel der Befragten erklärte, dass sie diese Medikamente auch ihren Kindern geben würden, um deren Karriere zu fördern, wenn auch andere Kinder in der Schule diese nähmen.
Bei der Beurteilung, ob sich das menschliche Gehirn medikamentös beeinflussen lässt, ist es relativ schwierig, eindeutige Antworten zu finden, denn auch Kaffee steigert schon künstlich die Leistung des Gehirns. Problematisch wird es, wenn man verschreibungspflichtige Mittel einsetzt wie Ritalin der Modafinil, die wie oben erwähnt für Erkrankungen entwickelt wurden. Allerdings ist auch bei diesen Medikamenten unklar, wie stark der leistungssteigernde Effekt bei gesunden Menschen tatsächlich ist, denn ein erheblicher Teil der Wirkung ist vermutlich auch ein Placeboeffekt. Schon der Gedanke, dass man ein leistungssteigerndes Mittel eingenommen hat, steigert die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Bei Medikamenten sollte man immer nach den meist unbekannten Nebenwirkungen und Langzeitfolgen fragen. Da sich derzeit schon viele heimlich dopen, wird man dieses Phänomen in einigen Jahren seriöser beurteilen können.
Quelle: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27695/1.html (08-04-11)
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