Zum Thema ‘Beziehungen’

Beziehungen bezeichnen eine Verbindung oder Kontakt zwischen Einzelnen oder Liebesbeziehungrn zwischen Mann und Frau

Die Trauerphasen nach Verena Kast



Eine Scheidung, der Bruch einer Freundschaft, der Arbeitsplatzverlust, eine eigene schwere Krankheit oder der Tod eines nahstehenden Mensche nbringt viele emotional an ihre Grenzen bringen. Manche Menschen versuchen mit allen Mitteln, diesem Verlust schnell wieder zu entkommen, stürzen sich in die Arbeit, betäuben den Schmerz mit Tabletten, Alkohol oder Ablenkung aller Art. Trauer ist keine Krankheit, sondern ein Gefühl, doch wer die Trauer nicht zulässt, sondern verdrängt, wird sie nicht los. Trauernde sind in einer besonderen Situation, sie sind aus dem inneren Gleichgewicht geworfen und verletzlich, dennoch versuchen viele Trauernde, ihre Umgebung nichts merken zu lassen, entweder weil sie glauben, andere Menschen nicht damit belasten zu dürfen oder weil sie keine Schwäche zeigen wollen. Vermeintliche Trostworte wie “Das Leben geht weiter! Kopf hoch, du bist ja noch jung!”, sind das Schlimmste, was man einem trauernden Menschen sagen kann, denn sie signalisieren, dass man die Trauer nicht ernst nimmt und nichts damit zu tun haben will. Auch Ratschläge wie “Geh doch wieder unter Menschen, damit Du auf andere Gedanken kommst!” fallen in diese Kategorie. Trauernde sollten sich Menschen suchen, die zuhören können, die ihre Trauer einfach aushalten und vielleicht teilen können, wobei Tränen der Trauer nicht nur allein geweint werden sollten, sondern auch in anteilnehmender Gesellschaft.

Die Psychologin Verena Kast entwickelte durch die Beobachtung an Trauernden und vor allem durch die Betrachtung der Träume, die ihrer Ansicht nach den Trauerprozess einleiten und an welchen sie die Entwicklung im Trauerprozess abliest, ein Modell von Trauerphasen in Anlehnung an John Bowlby.

1. Die Phase des Nicht–wahrhaben–Wollens
Die Nachricht des Todes löst einen „Gefühlsschock“ aus. Der Verlust wird geleugnet, kann nicht realisiert werden und die eigenen Emotionen können nicht wahrgenommen werden. Die trauernde Person scheint empfindungslos und fühlt sich oft selbst „wie tot“. Die körperlichen Reaktionen können alle Symptome eines Schocks (schneller Pulsschlag, Schwitzen, Übelkeit, motorische Unruhe) sein. Die Phase dieses Zustandes kann von einigen Stunden bis zu etwa einer Woche andauern, im Falle eines plötzlichen Todes kann sie noch länger anhalten.

2. Die Phase der aufbrechenden Emotionen
In dieser Phase taucht der Trauernde in ein regelrechtes Gefühlschaos: Wut, Trauer, Angst, Zorn, Schmerz, Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle, u. v. m. stellen sich ein. Welche Emotionen sich mischen oder überwiegen, hängt stark von der Persönlichkeit des Betroffenen ab, so reagieren z.B. Ängstliche mit Angst, Choleriker mit Zorn, usw.
Diese Stimmungslabilität kann im Kontakt mit anderen schnell zur Schwierigkeit werden, von einem Begleiter wird hier viel Geduld und Fingerspitzengefühl, sowie ein gewisses Maß an Abgrenzung gefordert. Die Ohnmacht des Menschen angesichts des Todes kann nur schlecht eingesehen werden; es treten Schuldgefühle auf, weil man befürchtet, nicht alles getan, etwas versäumt oder unterlassen zu haben, das den Tod hätte verhindern können oder es werden andere Menschen dessen beschuldigt.

3. Die Phase des Suchens und Sich–Trennens
Beim Verlust eines geliebten Menschen suchen wir zum einen den realen Menschen (Aufsuchen von Orten, die der Verstorbene mochte; in den Gesichtern anderer Menschen nach Zügen des Verstorbenen suchen; Übernehmen von Gewohnheiten des Verstorbenen) und zum anderen Möglichkeiten, Teile der Beziehung zu erhalten (Erzählungen und Geschichten über den Verstorbenen; innere Zwiegespräche mit dem Verstorbenen); eine innere Auseinandersetzung mit dem Verstorbenen findet statt. Dieses Suchen bereitet den Trauernden darauf vor, ein Weiterleben ohne den Verstorbenen zu akzeptieren, keineswegs aber ihn zu vergessen:

4. Die Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs
Im Verlauf der vorhergegangenen Phase wurden Wege gefunden, mit dem Verstorbenen positiv umzugehen. Er wird zu einer Art „inneren Figur“, dies kann sich ausdrücken, indem der Verstorbene als innerer Begleiter erlebt wird oder daran, dass der Trauernde Lebensmöglichkeiten, die zuvor an die gemeinsame Beziehung gebunden waren, in sein eigenes Leben integriert hat. Die Gedanken und Handlungen des Trauernden kreisen nicht mehr ausschließlich um den Verstorbenen, es wird wieder möglich das eigene Leben zu gestalten. Selbstvertrauen und Bezugsfähigkeit wachsen, so dass neue Beziehungen eingegangen werden können und neue Lebensmuster entwickelt werden können, ohne dass der Verstorbene vergessen scheint.

Der Durchlauf der Phasen kann nie stringent und idealtypisch verlaufen und auch nicht einer zeitlichen Begrenzung unterliegen, denn die Art und Weise der Trauerarbeit und Trauerbewältigung hängt neben der Persönlichkeit des Trauernden auch von seiner Beziehung zu dem Verstorbenen und dessen Todesumständen ab. In allen Phasen kann es zu Schwierigkeiten kommen, die sich, wenn keine Unterstützung vorhanden ist, schnell manifestieren können und ein Stagnieren des Trauerprozesses zur Folge haben können.

Literatur: Kast, Verena (1990).Trauern. Phasen und Chancen des psychischen Prozesses. Stuttgart: Kreuz.



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Geschwisterbeziehungen: “Mittlere” Kinder häufig benachteiligt



Matthias Wildermuth untersuchte die Realität und Bedeutung von Geschwisterbeziehungen innerhalb einer mittel- bis langfristigen kinder- und jugendpsychiatrischen stationären Behandlung. Er stellte fest: Geschwister, die zu zweit aufwachsen, unterstützen einander häufig. Kommen weitere Kinder hinzu, wächst das Konfliktpotenzial und sinkt der Zusammenhalt. Relativ oft unterstützen Schwestern ihre Brüder, eine Hilfe in umgekehrter Richtung ist seltener.
Geschwisterbeziehungen bleiben häufig unbeachtet und in der Therapie unbearbeitet, bemängelt der Kinder- und Jugendpsychiater. Ein intensives Umdenken hält er für notwendig. Seine Studie liefert dazu eine große Zahl von Einzelinformationen aus der Klinik, etwa:
Überhäufig werden mittlere Kinder beschuldigt, ältere oder jüngere Geschwister zu unerwünschtem Verhalten motiviert zu haben; mittlere Kinder “werden auch seltener als krank oder als Opfer anerkannt, was ihre emotional geschwächte Position gegenüber den Eltern aufzeigt.”
Kinder unter zwölf Jahren erleben mehr Geschwisterkonflikte als Ältere; denn im Lauf der Jahre nimmt das Interesse an der Familie ab, und die Beziehungen zu Freunden nehmen zu.
“Bei einem Geschwisterabstand über fünf Jahren sinkt die Rivalität, Konkurrenz und unmittelbare negative Beeinflussung erheblich. Ältere werden entweder idealisiert oder entziehen sich selbst schon den Kleineren. Positiv können sie jedoch auch Lehrer und gleichsam elterliche Unterstützer sein …”



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Streicheleinheiten für das Wohlbefinden



Es ist für das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl eines Menschen entscheidend, dass er Strokes erhält. Strokes sind alle Arten von Zuwendungen, Streicheleinheiten, Aufmerksamkeit oder Anstöße, die jemandem zuteil werden oder die jemand einem anderen Menschen zuteil werden lässt. Wenn Menschen nicht genügend Strokes bekommen, fühlen sie sich unwohl, abgelehnt und minderwertig. Sie reagieren unüberlegt, fühlen sich als Niemand oder Verlierer, sind demotivert oder bekommen sogar schwerwiegende psychische Störungen. Daher ist der Austausch von Strokes von entscheidender Bedeutung für die Beziehungen zwischen den Menschen.

Positive Strokes machen jemanden froh und geben ihm das Gefühl von Gesehen-Werden , Wertschätzung und Bedeutung. Das kann jede Form der positiven Anerkennung, wie Aufmerksamkeit, gewolltes Lob, Dankbarkeit, Freude, Bewunderung oder ganz einfach nur die “Nennung des Namens”, d. h. das Kennen des Namens, sein.

Negative Strokes stimmen dagegen traurig und erzeugen ein Verlierergefühl, wie beispielsweise Kritik, Verachtung, Lächerlichmachen, Enttäuschung, Kummer, Misstrauen, Nicht-Anerkennung bzw. -beachtung einer Leistung oder die oftmals missbräuchlich zitierte Undankbarkeit.

Keine Strokes sind wohl mit das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Es entsteht das Gefühl der Isolation (Beziehungsvereinsamung). Für Isolierte ist es zumeist psychisch wertvoller negative Strokes zu erhalten als gar keine. Wird z. B. ein Strafgefangener vor den anderen Sträflingen ausgepeitscht, wird er rein psychisch leichter überleben als wenn er vollkommen isoliert wird. Es hat sich in vielen Untersuchungen gezeigt, dass die meisten Konflikte, die größte Personalfluktuation, die schlechteste Stimmung und die größte Anzahl von Fehltagen in den Betrieben vorkommt, in denen den Menschen keine oder nur geringe Aufmerksamkeit zuteil wird.

Physische Strokes – psychische Strokes

Positive wie auch negative Strokes können sowohl psychischer als auch physischer Art sein.

physisch psychisch
positiv Kuss, Umarmung, Schulterklopfen Wertschätzung, Dank,. Lob, anerkennender Blick
negativ Hieb, Tritt, Stoß, Ohrfeige Kritik, Lächerlichmachen, Achselzucken, abwertender Blick

Übrigens wurden an Mäusen die neuronalen Grundlagen des Streichelns identifiziert, und zwar spezielle Neuronen in der Haut, die gezielt auf zärtliche Berührungen (das Fell wurde mit einem Pinsel gestreichelt) reagieren und bei Aktivierung für Wohlbefinden sorgen (Vrontou et al., 2013). Diese Tasterven bilden Verästelungen in der behaarten Haut und ziehen von dort als dünne Fasern bis ins Rückenmark, wobei sie sich von anderen Nervenzellen unterscheiden, indem sie ein spezielles Sensorprotein produzieren.

Übrigens: Hunde wollen keine Umarmungen!

Quellen & Literatur
Vrontou, Sophia, Wong, Allan M., Rau, Kristofer, K. H., Koerber, Richard & Anderson, David J. (2013). Genetic identification of C fibres that detect massage-like stroking of hairy skin in vivo, Nature 493, 669–673, (31 January 2013), doi:10.1038/nature11810.
http://www.emcl.de/dd_stroking.htm (29-12-07)



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