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Das menschliche Gehirn bereitet sich bereits im Mutterleib auf das Sehen vor

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    Eine aktuelle Untersuchung von Yoo et al. (2026) zeigt, dass die Sehrinde des menschlichen Gehirns bereits in der 21. Schwangerschaftswoche einen strukturellen Grundaufbau aufweist, der dem von Erwachsenen ähnelt. Mithilfe von funktionellen Magnetresonanztomografiedaten (fMRT) im Ruhezustand – basierend auf öffentlich zugänglichen Daten des „Human Connectome Project“ von insgesamt 871 Personen vom Fötus bis zum jungen Erwachsenen – analysierte man die visuellen Areale V2 und V3. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass sowohl die Exzentrizität (der Abstand zum Gesichtsfeldzentrum) als auch der Polarwinkel (die genaue Richtung im Blickfeld) in Form einer retinotopen Organisation bereits pränatal angelegt sind. Da Ungeborene im Mutterleib erst ab der etwa 28. Woche die Augen öffnen und die Umgebung dunkel ist, entsteht diese innere Seh-Landkarte gänzlich ohne äußere Seheindrücke.

    Man vermutet als Ursache spontane Aktivitätswellen der Netzhaut, die das Sehzentrum schrittweise verkabeln und strukturieren. Während diese Studie die räumliche Grundordnung im frühen Entwicklungsstadium belegt, bleibt die Entstehung der Wahrnehmung von Helligkeit, Formen und Gesichtern Gegenstand künftigen Forschungen vorbehalten. Ziel für medizinische Anwendungen ist es zudem, diese Methoden künftig auf individueller Ebene zur Früherkennung von Sehstörungen nutzbar zu machen.

    Literatur

    Yoo, S.-H., Kieslinger, A.-S., & Skeide, M. A. (2026). Population connective field modeling reveals proto-retinotopic visual cortex organization in the prenatal human brain. Science Advances, 12(40), doi:10.1126/sciadv.aee9300.

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