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Wie Schimpansenmütter ihren Nachwuchs in Werkzeugtechniken unterweisen

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    Die Weitergabe von technischem Wissen und komplexen Überlebenstechniken ist keineswegs ein exklusives Alleinstellungsmerkmal des Menschen, sondern lässt sich in ähnlicher Form auch bei unseren nächsten Verwandten beobachten. Eine aktuelle Studie an wild lebenden westafrikanischen Schimpansen (Pan troglodytes verus) im senegalesischen Savannengebiet von Dindefelo liefert tiefgreifende Einblicke in die Mechanismen des sozialen Lernens und der Wissensvermittlung innerhalb dieser Primatenpopulation. Neuere Untersuchungen belegen, dass Jungtiere essenzielle Fertigkeiten – wie das Angeln nach Ameisen und Termiten, das Fischen von Algen oder das Aufschlagen harter Affenbrotbaumfrüchte mithilfe von Steinambossen – nicht isoliert durch reines Ausprobieren erlernen, sondern maßgeblich durch den direkten Kontakt und die Interaktion mit erwachsenen Artgenossen.

    Grundlage dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse ist eine umfassende Auswertung von Videomaterial, welches von einem internationalen Forschungsteam mithilfe von Kamerafallen im Zeitraum zwischen 2017 und 2025 zusammengetragen wurde. Dabei dokumentierten die Forschenden rund 15 Stunden Filmmaterial direkt an Werkzeugnutzungsplätzen sowie ergänzende Sequenzen an traditionellen Futterplätzen. In diesem Rahmen konnten die Wissenschaftler insgesamt 33 gezielte Werkzeugübergaben und vier Weitergaben von Früchten beobachten und analysieren.

    Die quantitative und qualitative Auswertung dieser Interaktionen zeigt ein klares Muster: Die Weitergabe von Werkzeugen und Nahrungsmitteln findet vor allem im engen familiären Kontext statt. Mütter nehmen hierbei eine absolute Schlüsselrolle ein. Sie fungieren als zentrale Vorbilder und Lehrerinnen, indem sie ihren Säuglingen und heranwachsenden Jungen aktiv Gegenstände überlassen oder ihnen als geduldige Beobachtungsobjekte dienen. Zwar geschieht der Wissenserwerb oft beiläufig im alltäglichen Zusammenleben – etwa wenn ein Jungtier das Vorgehen der Mutter beim Einstechen eines Stocks in ein Insektennest aufmerksam verfolgt –, doch wird der Prozess durch das Überlassen der Utensilien maßgeblich erleichtert. Die Empfänger, meist noch unerfahrene Jungtiere, nutzen die erhaltenen Werkzeuge unmittelbar im Anschluss deutlich intensiver und erfolgreicher, während die ursprünglichen Besitzer ihre eigene Aktivität entsprechend einschränken.

    Diese Beobachtungen verdeutlichen, dass passives Mitlesen oder bloßes Zuschauen durch aktive Hilfestellungen und Toleranz seitens der älteren Generation ergänzt wird. Besonders mütterliche Unterstützung und die gezielte Weitergabe von Gegenständen stellen demnach fundamentale Bausteine dar, um technologische Verhaltensweisen über Generationen hinweg zu tradieren und den Nachwuchs an schwer zugängliche Nahrungsquellen heranzuführen.

    Literatur

    Sánchez-Megías, A., Barciela, A., López-Leal, K., Piccolella, F., Galán-Plana, C. F., Mirghani, N., Llana, M., Galbany, J., Dotras, L., Renelies-Hamilton, J., Arroyo, A., & Hernandez-Aguilar, R. A. (2026). Savanna chimpanzee tool and fruit transfers facilitate the transmission of technological behaviours at Dindefelo, Senegal. Frontiers in Psychology, 17, doi:10.3389/fpsyg.2026.1868894

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