Das dauerhafte Bestehen emotional bedeutsamer Erinnerungen beruht auf einem komplexen neurobiologischen Zusammenspiel zwischen dem System der Gedächtnisbildung und emotionalen Steuerungszentren im Gehirn. Neue Deklarativinformationen werden zunächst im Hippocampus enkodiert, wo vorübergehende synaptische Anpassungen stattfinden. Um jedoch über Jahre oder ein ganzes Leben hinweg bestehen zu bleiben, müssen diese Gedächtnisspuren den Prozess der Systemkonsolidierung durchlaufen, bei dem sie vor allem während der Tiefschlafphasen schrittweise in neocortikale Netzwerke übertragen und dort langfristig verankert werden (Diekelmann & Born, 2010; Squire et al., 2015).
Die Selektivität, mit der manche Ereignisse dauerhaft gespeichert werden, während neutrale Alltagsdetails verblassen, wird maßgeblich durch die Amygdala gesteuert. Bei emotional erregenden Ereignissen schüttet der Körper Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, welche die Amygdala aktivieren. Gemäß der Modulations-Hypothese agiert die Amygdala dabei als molekularer und neuronaler Verstärker: Sie verstärkt die synaptische Plastizität sowie die Langzeit-Potenzierung im Hippocampus direkt und markiert die jeweilige Erfahrung als überlebenswichtig oder bedeutsam (McGaugh, 2013).
Bei extremen Belastungen oder traumatischen Erfahrungen kann dieser physiologische Mechanismus jedoch fehlschlagen. Durch eine massive Überstimulation der Amygdala bei gleichzeitiger stressbedingter Beeinträchtigung der geordneten hippocampal-cortikalen Integration verbleibt die Erinnerung in einem hoch reaktiven, unvollständig konsolidierten Zustand. Dies führt dazu, dass Reize in der Umwelt die sensorischen und emotionalen Komponenten des Ereignisses unwillkürlich als Intrusions- oder Flashback-Erleben reaktivieren können (Brewin et al., 2010). Zur Erforschung dieser dynamischen Netzwerke werden bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) zur Bestimmung tiefer Hirnstrukturen sowie die Elektroenzephalografie (EEG) zur exakten zeitlichen Messung neuronaler Oszillationen eingesetzt.
Literatur
Brewin, C. R., Lanius, R. A., Novac, A., Schnyder, U., & Galea, S. (2010). Reformulating PTSD for DSM-V: Life after Traumatic Grief and the Role of Intrusion Dynamics. Journal of Traumatic Stress, 23(1), 130–138.
Diekelmann, S., & Born, J. (2010). The memory function of sleep. Nature Reviews Neuroscience, 11(2), 114–126.
McGaugh, J. L. (2013). Making lasting memories: Remembering the significant. Proceedings of the National Academy of Sciences, 110(Suppl 2), 10373–10380.
Squire, L. R., Genzel, L., Wixted, J. T., & Morris, R. G. (2015). Memory consolidation. Cold Spring Harbor Perspectives in Biology, 7(8), doi:10.1101/cshperspect.a021766