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Warum Nicht-Reagieren oft die bessere Strategie ist

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    Der Impuls, auf kritische, abwertende oder provokante Äußerungen im Alltag und Beruf sofort mit einer treffenden, schlagfertigen Antwort zu kontern, ist weit verbreitet. Dahinter steht meist das Bedürfnis, die eigene Kompetenz zu schützen, Machtlosigkeit zu vermeiden und vor anderen nicht bloßgestellt dazustehen. Schlagfertigkeit gilt vielen daher als das höchste Ideal kommunikativer Stärke. Sie birgt jedoch eine entscheidende Falle: Wer reflexhaft kontert oder versucht, sich zu rechtfertigen, lässt sich auf die Spielregeln des Gegenübers ein. Sowohl das Verteidigen als auch der Gegenangriff akzeptieren implizit den Versuch der anderen Person, die eigene Position oder Leistungsfähigkeit zu bewerten, wodurch eine Dynamik des ständigen Beweisenmüssens und Machtkampfs aufrechterhalten wird.

    Echte Souveränität zeigt sich daher nicht darin, auf jede Herausforderung blitzschnell und perfekt zu reagieren, sondern in der Freiheit zu entscheiden, ob man diese Herausforderung überhaupt annehmen möchte. Während das bloße Streben nach ständiger Sprachlosigkeitsvermeidung oft zu Stress führt, erlaubt eine überlegene Haltung das Innehalten, Einordnen und sogar das Eingestehen von Betroffenheit oder Sprachlosigkeit. Diese Form der Gelassenheit verbindet Unabhängigkeit mit Menschlichkeit. Indem man Sätze des Gegenübers nicht als objektive Wahrheiten, sondern lediglich als dessen individuelle Perspektive oder Versuch der Einflussnahme begreift, gewinnt man die Kontrolle über das eigene Handeln zurück. Oftmals nimmt ein souveränes Deeskalieren oder ins Leere Laufen Lassen einem Angriff mehr Schärfe, als es ein treffender Konter könnte, da Dritte die Unangemessenheit von Herabsetzungen ohnehin meist richtig einschätzen.

    Um aus destruktiven Schlagabtauschen auszusteigen, stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung. Statt den gedanklichen Fokus auf die Verteidigung der eigenen Person zu richten, kann der Scheinwerfer auf die Sachebene oder die Art der Kommunikation verschoben werden. Das Spiegeln der Wirkung einer Aussage, das Benennen des Tonfalls oder das bewusste Aufgreifen sachlich wahrer Kernaspekte eines Vorwurfs ziehen einer Spitzen-Bemerkung oft den Stachel. Bei wiederkehrenden Provokationen hilft der Wechsel auf eine Metaebene, um das Kommunikationsmuster selbst anzusprechen und sachorientiert weiterzuarbeiten. Schlagfertigkeit bleibt somit ein nützliches Werkzeug, ist jedoch kein Garant für Souveränität. Wahrhaft stark agiert nicht, wer jedes Wortgefecht gewinnt, sondern wer frei wählt, welche Kämpfe es überhaupt wert sind, geführt zu werden.

    Schlagfertigkeit ist kein Garant für Souveränität.

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