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Die neuronale Dynamik des Leerlaufs des Gehirns

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    Das Default Mode Network und seine Funktion für Selbstreflexion und Kreativität

    Das Phänomen des bewussten „Nichtstuns“ oder des gedanklichen Abschweifens wird im Alltag häufig mit Entspannung oder dem Freimachen des Kopfes assoziiert. Wissenschaftlich betrachtet existiert ein Zustand, in dem das menschliche Gehirn völlig frei von Gedanken ist, im wachen Zustand jedoch praktisch nicht. Durch den Einsatz moderner bildgebender Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) lässt sich die elektrische Aktivität, der Blutfluss und der Sauerstoffverbrauch des Gehirns präzise visualisieren. Dabei zeigt sich, dass neuronale Regionen wie in einem Orchester in verschiedenen Netzwerken zusammenarbeiten – darunter das Aufmerksamkeits-, das visuelle oder das Belohnungsnetzwerk.

    Die Annahme, das Gehirn fahre seine Aktivität in Phasen ohne kognitive Leistungsanforderung herunter, wurde Ende der 1990er Jahre widerlegt. Bei der Untersuchung von Hirnarealen während visueller Such-, Gedächtnis- oder Sprachaufgaben im Vergleich zu Ruhephasen stellten Forschende fest, dass bestimmte Bereiche im Ruhezustand keineswegs inaktiv sind. Im Gegenteil: Gewisse Regionen weisen im Leerlauf eine höhere Aktivität auf als während der aktiven Aufgabenbewältigung. Dieses Phänomen wird als das sogenannte Default Mode Network (DMN) oder Ruhezustandsnetzwerk bezeichnet und springt immer dann an, wenn eine Person wach ist, aber keine spezifische, zielgerichtete Aufgabe löst.

    Für diese anhaltende Aktivierung des Gehirns im Leerlauf existieren verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze:

    • Eine Hypothese schreibt dem DMN eine evolutionäre Schutz- und Wachsamkeitsfunktion zu. Demnach verbleibt das Gehirn in ständiger Alarmbereitschaft für Umweltreize, um flexibel auf potenzielle Gefahren oder Belohnungssituationen reagieren zu können.
    • Neben Arealen für Aufmerksamkeit und Emotionen umfasst das Netzwerk auch Regionen, die für das Gedächtnis und die Handlungsplanung zuständig sind. Empirische Untersuchungen zeigen eine signifikante Überschneidung zwischen dem Ruhezustand und selbstreferentiellem Denken. Wenn Personen über sich selbst nachdenken und ihr Selbstbild analysieren, werden Kernbereiche des DMNs sogar noch stärker aktiviert als in der reinen Ruhephase. Das Netzwerk spielt folglich eine fundamentale Rolle bei der Selbstwahrnehmung, der Identitätsbildung sowie der Evaluation persönlicher Erinnerungen und zukünftiger Szenarien.
    • Darüber hinaus ist das DMN maßgeblich an kreativen Prozessen und plötzlichen Problemlösungen (sogenannten Heureka-Momenten) beteiligt. Das Abschweifen der Gedanken – häufig begünstigt durch automatisierte Tätigkeiten – führt zu einem Hochfahren des DMNs, während das für fokussiertes Arbeiten zuständige Fronto-Parietale Netzwerk (FPN) temporär heruntergfahren wird. Bei der Generierung neuer Ideen kooperieren diese Netzwerke eng miteinander: Das DMN liefert durch ungerichtete Assoziationen die kreativen Impulse, woraufhin das FPN die Führung übernimmt, sobald die Ideen fokussiert ausgearbeitet und in die Tat umgesetzt werden.

    Ein ausgewogenes Zusammenspiel und der flexible Wechsel zwischen dem Ruhezustandsmodus und dem fokussierten Arbeitsmodus sind essenziell für die psychische Gesundheit. Eine Dysfunktion, bei der das Default Mode Network dauerhaft aktiv bleibt und kaum noch Wechsel stattfinden, steht in engem Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen. Umgekehrt führt ein permanentes Verharren im fokussierten Leistungsmodus ohne Phasen des bewussten Leerlaufs nachweislich zu Burnout. Das regelmäßige Zulassen von Phasen ohne konkrete Aufgabenstellung ist daher eine notwendige Voraussetzung für kognitive Regeneration, Selbsterkenntnis und kreative Leistungsfähigkeit.

    Literatur

    Stangl, W. (2021, 9. Juli). Default Mode Network und Kreativität. Stangl notiert ….
    https://notiert.stangl-taller.at/gehirnforschung/default-mode-network-und-kreativitaet/.

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