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Kognitive Mechanismen von Motivationsstörungen bei psychischen Erkrankungen

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    Eine Metastudie von Pillny et al. (2026) untersuchte die kognitiven Grundlagen von Motivationsproblemen bei verschiedenen psychischen Erkrankungen. Im Zentrum der Untersuchung stand das aufwandbasierte Entscheidungsverhalten (Effort-based decision making, EBDM). Dieser Prozess beschreibt, wie Menschen normalerweise den für ein Ziel notwendigen Aufwand gegen den erwarteten Nutzen und die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs abwägen.

    Man wertete dabei Daten aus 68 Einzelstudien mit insgesamt rund 3.700 Teilnehmenden aus, die unter Depressionen, bipolaren Störungen oder Erkrankungen aus dem Schizophrenie-Spektrum litten oder einer entsprechenden Risikogruppe angehörten. Die Ergebnisse zeigten, dass Motivationsdefizite zwar ein übergreifendes Symptom vieler Störungen sind, ihnen jedoch unterschiedliche Mechanismen zugrunde liegen. Bei Menschen mit Depressionen oder bipolaren Störungen zeigte sich eine verzerrte Wahrnehmung, bei der der nötige Aufwand für alltägliche Aktivitäten als zu hoch und der potenzielle Nutzen als zu gering eingeschätzt wird. Dies führt dazu, dass herkömmliche Motivationsversuche oft wirkungslos bleiben und stattdessen Therapieansätze vielversprechender sind, die die Vorfreude und positive Visualisierung trainieren.

    Im Gegensatz dazu ist das Entscheidungsverhalten bei Patienten aus dem Schizophrenie-Spektrum eher durch Unsystematik und Sprunghaftigkeit geprägt, was primär auf eine allgemein verringerte kognitive Leistungsfähigkeit zurückgeführt wird. Hier scheint ein gezieltes kognitives Training der geeignetere Weg zur Besserung zu sein.

    Interessanterweise konnten bei Risikogruppen, die noch keine klinische Diagnose hatten, keine signifikanten Abweichungen im Entscheidungsverhalten festgestellt werden, wobei die Studienautoren hier weiteren Forschungsbedarf sehen. Insgesamt unterstreicht die Untersuchung, dass eine transdiagnostische Betrachtungsweise hilft, sowohl Gemeinsamkeiten als auch spezifische Unterschiede zwischen Störungsbildern besser zu verstehen, um zukünftig passgenauere therapeutische Interventionen für Motivationsprobleme entwickeln zu können.

    Literatur

    Pillny, M., Renz, K. E., Hay, A., Fulford, D., Lincoln, T. M., Barch, D. M., Gold, J. M., & Kaiser, S. (2026). Effort-based decision making in psychopathology: A transdiagnostic multilevel meta-analysis and systematic review of behavioral patterns and mechanisms underlying amotivational psychopathology. Psychological Bulletin. Advance online publication, doi:10.1037/bul0000510

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