Zum Inhalt springen

Immer mehr Jugendliche konsumieren Cannabis

    Nach Kay Uwe Petersen & Rainer Thomasius (2007) konsumieren aber immer jüngere und immer mehr Jugendliche Cannabis (Cannabis sativa, Cannabis indica). 19% der 12-bis 25-jährigen Deutschen besaßen 1997 Cannabis-Erfahrung, während der folgenden 10 Jahre stieg der Anteil weit über 30%. Noch deutlicher wuchs die Probierbereitschaft im gleichen Zeitraum – von mehr als 20% auf etwa 50%. Wer besonders früh – also bereits vor dem 16. Lebensjahr – mit dem Cannabis-Konsum beginnt, ist in besonderem Maß gefährdet, eine Sucht zu entwickeln und weitere Drogen zu nehmen.

    Nach Ansicht der Kinder- und Jugendpsychiaterin Kathrin Sevecke ist der schädliche Einfluss von Cannabis auf das Gehirn Heranwachsender viel größer ist als bisher angenommen, d. h., je früher Jugendliche mit dem Konsum beginnen, desto eher greift das in die sensible Phase ihrer Gehirnreifung ein. Es ist also ein großer Unterschied, ob ein Erwachsener, bei dem das Gehirn ausgereift ist, konsumiert oder ein Adoleszent, bei dem hirnstruktureller Umbau stattfindet, d. h., der Beginn und die Intensität des Konsums sind entscheidend.

    Es ist bekannt, dass Zellen und Gewebe dann am leichtesten beeinflussbar und störanfällig sind, wenn sie sich in der Phase der Zellteilung und großer Aktivität befinden, was etwa bei der Gehirnentwicklung in der Pubertät der Fall ist. Kommt es in dieser Zeit zu schädigenden Einflüssen durch Drogen wie Cannabis, werden besonders diese Funktionen beeinträchtigt, deren Ausbildung gerade in dieser Phase stattfindet und die dadurch in ihrer Entwicklung gestört werden. Schädigungen durch Substanzkonsum in der Zeit der Pubertät bis in etwa Mitte der zwanziger Jahre betreffen vor allem jene Zentren, die für zielgerichtetes Handeln, Selektion von Eindrücken, Einschätzung und Planung sowie logisches Denken zuständig sind (vgl. Stangl, 2012).
    Längsschnitt- und Zwillingsstudien haben übrigens gezeigt, dass insbesondere früher und häufiger Cannabiskonsum mit dem späteren Gebrauch härterer Substanzen zusammenhängen kann, wobei je früher und häufiger jemand Cannabis konsumiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser irgendwann zu stärkeren Substanzen greifen wird. Ob und wieweit dieser statistisch deutliche Zusammenhang auch tatsächlich Kausalitäten belegen, ist zwar offen, doch ExpertInnen schließen aus der Datenlage, dass Cannabis als Einstiegsdroge zumindest nicht zur Gänze den späteren Konsum härterer Substanzen erklären kann. Vielmehr scheinen verschiedene individuelle und umweltbedingte Faktoren dem Zusammenhang von Cannabiskonsum im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter und späterem Konsum von härteren Drogen zugrunde zu liegen. Für eine vulnerable Minderheit kann der Cannabiskonsum mit einem Konsum von härteren Substanzen zusammenhängen, sodass für diese Zielgruppe spezifische Präventions- und Früherkennungsmaßnahmen wichtig sind. Dennoch geht der Großteil der Cannabiskonsumierenden nie zu härteren Substanzen wie Kokain oder Heroin über.

    Literatur

    Kay Uwe Petersen, Rainer Thomasius (2007). Auswirkungen von Cannabiskonsum und -missbrauch. Pabst.
    Schmid, Otto & Müller, Thomas (Hrsg.) (2020). Die Sucht-Enzyklopädie. Pabst.
    Stangl, W. (2012). Risikofaktoren und Entwicklungsmechanismen für jugendlichen Drogengebrauch und -mißbrauch. [werner stangl]s arbeitsblätter.
    WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/EntwicklungsfaktorenDroge.shtml (2012-04-01).
    http://derstandard.at/2000044840503/Suchtkranke-Teenager-Uebermaechtiger-Wunsch-zu-konsumieren (16-09-22)




    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.