Zum Thema ‘Populärwissenschaftliches’

Ein Gehirnareal für das Hunger und Durst



Zwar haben Hunger und Durst unterschiedliche Ziele, beide kontrollieren aber ähnliche Verhaltensweisen, wobei wenig über neuronale Prozesse bekannt sind, die zwischen diesen Verhaltenszuständen geteilt werden. Gong et al. (2020) haben im Mäusegehirn die dafür verantwortlichen Abläufe identifiziert, wobei die Aktivität glutamaterger Neuronen in einer Region des Hirnstamms durch Nahrung oder Wasseraufnahme beeinflusst wird. Man bot den Mäusen eine Vielzahl von Flüssigkeiten, während man die Aktivität dieses Areals überwacht, wobei sich zeigte, dass die neuronale Aktivität vermindert war, wenn die Mäuse Wasser oder bitter schmeckende Verbindungen tranken. Der Effekt war jedoch noch ausgeprägter, wenn die Mäuse schmackhafte Erfrischungen wie ein Getränk mit Vanillegeschmack zu sich nahmen. Während eine Aktivierung der Neuronen das Fressen hemmte, fraßen und tranken die untersuchten Mäuse mehr und länger als gewöhnlich, wenn man die Neuronenaktivität blockierte, wobei die Tiere sogar weiterfraßen, wenn sie gut gefüttert waren und mit ausreichend Flüssigkeit versorgt wurden.

Literatur

Gong, Rong, Xu, Shengjin, Hermundstad, Ann, Yu, Yang & Sternson, Scott M. (2020). Hindbrain Double-Negative Feedback Mediates Palatability-Guided Food and Water Consumption. Cell, doi:10.1016/j.cell.2020.07.031.

Bildquelle

https://www.spektrum.de/news/schaltkreis-foerdert-essen-zum-vergnuegen/1764699 (20-09-10)

 



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Fördert Musikausbildung die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen?



Es wird oft behauptet, dass Musikausbildung die kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen verbessert, doch lassen Forschungen über den Transfer von solchen Kompetenzen jedoch eher vermuten, dass dieser Transfer von Fähigkeiten nur selten stattfindet. Sala & Gobet (2017) haben in einer Meta-Analyse die verfügbaren experimentellen Belege für den Einfluss der Musikausbildung auf die kognitiven Kompetenzen und die Studierfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen untersucht. Dabei zeigte sich eine eher geringe Gesamteffektgröße, etwas größere Effektgrößen fand man im Hinblick auf Intelligenz und gedächtnisbezogene Fähigkeiten bzw. eine umgekehrte Beziehung zwischen der Größe der Effekte und der methodischen Qualität des jeweiligen Studiendesigns.

Vor allem Untersuchungen mit qualitativ hochwertigem Design zeigten keinen Einfluss, denn bei diesen wurden Kontrollgruppen verwendet, also Kinder, die keine Musik lernten übten stattdessen andere Fertigkeiten wie Tanz oder einen Sport. Kleinere Effekte wurden demnach nur bei Studien entdeckt, die keine solchen Kontrollgruppen enthielten.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Musiktraining die kognitiven oder akademischen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen nicht generell verbessert, und dass frühere positive Ergebnisse wahrscheinlich auf andere Variablen zurückzuführen sind. Dennoch kann Musikunterricht für Kinder von Vorteil sein, denn dabei werden etwa auch soziale Fähigkeiten oder das Selbstwertgefühl verbessert, wobei manche Elemente der Musik wie die Notation durchaus das Lernen in anderen Disziplinen wie Mathematik erleichtern kann.

Literatur

Sala, Giovanni & Gobet, Fernand (2017). When the music’s over. Does music skill transfer to children’s and young adolescents’ cognitive and academic skills? A meta-analysis. Educational Research Review, 20, 55-67.



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Bauchgefühl, Intuition und das Unbewusste



Für Sigmund Freud war das Unbewusste eine eher negative, bedrohliche Kraft, während heute das Unbewusste nicht mehr nur als Bedrohung des Ich gesehen wird, sondern als hilfreiche Unterstützung, etwa als emotionale Intelligenz, Bauchgefühle oder Intuition. Jede Sekunde schicken die Sinne Millionen von Informationen an das Gehirn, sodass Menschen bei einer bewussten Auswertung schlicht überfordert wäre. Nach etwa vierzig Informationen, die unser Gehirn erreichen, wird der überschüssige Input auf den Speicher des Unterbewussten umgeleitet. Dieser Speicher nimmt ständig Sinneseindrücke und Informationen in sich auf, verändert und steuert das menschliche Verhalten. Gerd Gigerenzer (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung) belegte an zahlreichen Beispielen belegen, dass es sich lohnt, auf die Intuitionen zu vertrauen, wenn man über Dinge nachdenkt, über die man wenig weiß oder die schwer vorherzusagen sind. Eine komplexe Analyse zahlt sich dagegen nur dann aus, wenn es gilt, die Vergangenheit zu erklären, wenn die Zukunft in hohem Maße vorhersehbar ist und wenn reichlich Information vorliegt. Die Intelligenz des Unbewussten besteht darin, in jeder Situation auf die passende Faustregel zurückzugreifen nach dem Motto: “take the best ignore the rest“. Offenbar benötigt der Verstand einen unbewussten Berater, der schnell, kompetent, nicht auf Einzelheiten Wert legt, sondern das große Ganze sieht, und immer greifbar ist, wenn es eine Entscheidung zu treffen gilt. Für die Beurteilung der subtilen Signale der nonverbalen mimischen Kommunikation befindet sich im Gehirn ein spezielles Areal, das nur damit beschäftigt ist, bekannte Züge in Gesichtern aufzuspüren. Das Unterbewusstsein befasst sich dabei mit den winzigen Aussagen der Bewegungen von Stirn, Mund- und Augenwinkeln, die so viel mehr sagten als Worte. Diese Art, Entscheidungen zu fällen, hat sich in Jahrmillionen der Evolution entwickelt und auch der moderne Mensch ist manchmal gut beraten, der Intuition zu trauen. Besonders häufig wird diese Intuition angesprochen, wenn es um die Emotionen geht. Allerdings wissen wir, dass wir mit solchen Entscheidungen oft scheitern.

Da seit Sigmund Freud angenommen wird, dass das Unbewusste autonom und nicht vom Bewusstsein kontrollierbar ist, dominierte in der akademischen Psychologie die Vorstellung eines chaotischen und unkontrollierbaren Unbewussten. Neuere Untersuchungen zeigen aber, dass unser Bewusstsein zu den Absichten passende unbewusste Vorgänge in unserem Gehirn verstärkt und nicht passende hingegen abschwächt, wodurch gewährleistet wird, dass das bewusstes „Ich“ nicht zu stark von einer Vielzahl unbewusster Tendenzen beeinflusst wird. Mit Gehirnstrommessungen konnte nun gezeigt werden, dass bewusste Vorsätze die Arbeit der autonomen Systeme im Gehirn steuern, wobei die bewussten Absichten und Einstellungen darüber entscheiden, ob ein unbewusster Prozess in unserem Gehirn überhaupt ablaufen kann.

Intuition bedeutet, dass Menschen sprichwörtlich nicht mit dem Kopf sondern aus dem Bauch heraus entscheiden, d. h., sie wissen oder erahnen etwas, ohne die genauen Gründe dafür nennen zu können. Solche Bauchentscheidungen sind also nicht das Ergebnis bewussten Nachdenkens und Schlussfolgerns, sondern sie entstehen unbewusst. Oft gehen sie mit Emotionen einher, etwa einem Gefühl der Richtigkeit und des Sinnerlebens, wobei es dem Verstand verbleibt zu prüfen, ob die Eingebungen in tatsächliches Handeln umgesetzt werden. Die zugrundeliegenden kognitiven Prozesse basieren dabei auf Erfahrung, laufen schnell und unwissentlich ab, und ermöglichen das mühelose Zusammensetzen vieler verstreuter Aspekte zu einem kohärenten Ganzen. Bei Menschen mit Depressionen sind diese Prozesse jedoch beeinträchtigt, ihr Denken erscheint verengt, sie grübeln und verlieren ihre assoziativ-holistischen und intuitiven Spielräume. Allerdings sind die genauen Zusammenhänge zwischen Depression und Intuition noch unbekannt, sodass das Thema eines neuen psychologischen Forschungsprojekts der Freien Universität Berlin der Zusammenhang zwischen Depressionen und intuitiven Entscheidungen darstellt. Bisher zeigte sich, dass es psychisch gesunden Personen leichter fällt, Entscheidungen intuitiv zu treffen als depressiven Personen. Menschen, die akut an einer Despression leiden, haben auch vergleichsweise größere Schwierigkeiten, semantische Sinnzusammenhänge und -muster zu erkennen.

Florian Ilgen (2019) ist der Ansicht, dass man das Bauchgefühl, die innere Stimme bzw. die Intuition trainieren kann, wobei der Zusammenhang mit der Magengegend beim Bauchgefühl irreführend ist, denn man weiß gar nicht so genau, wo dieses Gefühl herkommt. Die im Körper spürbaren Emotionen sehen vermutlich in Verbindung mit dem impliziten Gedächtnis, also jenem Teil des Gedächtnisses, der das Erleben und Verhalten eines Menschen beeinflusst, ohne dabei ins Bewusstsein zu treten. Diese Form des Gedächtnisses denkt schneller und auch gründlicher als die höheren kognitiven Zentren. In diesem impliziten Gedächtnis hat man ein Erlebnis, eine Erkenntnis oder beommt eine Information abgespeichert, und in Entscheidungs- oder Gefahrensituationen ruft die Intuition das im Archiv ab, was sie gerade braucht. So weiß ein Mensch etwa sofort, dass er sich vor dem zum Schlag ausholenden Gegenüber wegducken sollte, denn bewusst wahrgenommen und durchgedacht, würde dieser Vorgang zu lange dauern. Je mehr Erfahrungen und Erlebnisse man in einem Lebensbereich hat, desto zuverlässiger ist das Bauchgefühl. Allerdings haben viele Menschen verlernt, ihr Bauchgefühl wahrzunehmen, denn die meisten sind davon überzeugt, dass Entscheidungen am besten auf rationaler Basis getroffen werden sollten. Daher suchen sie Argumente und wägen Vor- und Nachteile ab und denken, dass Emotionen dabei eher störend wären. Menschen können nach Florian Ilgen (2019) aber lernen, ihre Gefühle bewusster wahrnehmen und damit die Wahrnehmung des Bauchgefühls trainieren, wozu eine gehörige Portion Achtsamkeit im Alltag gehört. Man sollte daher versuchen, bestimmte Situationen bewusst wahrnehmen, vor allem mit Blick auf die dabei auftretenden Gefühle, wobei man diese Gefühle registrieren soll, wie sie sind, und sie nicht bewerten. Unterstützen kann man das etwa mehrmals am Tag mit kurzen Meditationen, also sich Zeit für sich selbst zu nehmen, in sich hineinzuschauen und zu sehen, wie es einem gerade geht, etwa bei einem Spaziergang. Wichtig ist dabei, das Bauchgefühl von anderen Emotionen wie Angst, Gier oder Liebe abzugrenzen, denn sonst besteht die Gefahr, dass die Intuition untergeht und nicht wahrgenommen wird. Wichtig für das Bauchgefühl ist daher ein ausgeprägtes Selbstvertrauen, d. h., man sollte sich trauen, darauf zu bauen, dass das, was man fühlt, richtig ist. Das funktioniert, wenn man möglichst häufig intuitiv entscheidet, denn je öfter man sich von seiner Intuition leiten lässt, desto mehr kann man sich auf sein Bauchgefühl verlassen.

Literatur

Ilgen, Florian (2019). Die Macht der Intuition – Warum Sie im richtigen Moment den Mut zur Veränderung haben müssen. Komplett Media GmbH.
https://idw-online.de/de/news715903 (19-05-18)



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