Zum Thema ‘Kurioses & Randständiges’

Die sich drehende Tänzerin …



Die bekannte Animation der drehenden Tänzerin, die an anderer Stelle unter dem Thema “Rechte vs linke Gehirnhälfte” für Diskussionen gesorgt hat, kann durch Hilfslinien bzw. vor allem das Einsetzen der Augen dekonstruiert werden, wie man in der unten stehenden dreifachen Animation sehen kann.

Silhouetten sind für einen Betrachter immer doppeldeutig, wobei das Gehirn automatisch versucht, die zweidimensionale Darstellung in eine räumliche umzuwandeln. Das erfolgt dadurch, dass im Sehzentrum des Gehirns Informationen hinzufügt werden, die einer möglichen Realität entsprechen, auch wenn sie in der objektiven Darstellung gar nicht enthalten sind. Im Fall der Silhouette gibt es  daher immer zwei Interpretationsmöglichkeiten, wobei empirisch betrachtet häufiger die Drehung im Uhrzeigersinn wahrgenommen wird.

Das hat übrigens nichts mit rechter und linker Gehirnhälfte zu tun 😉

hilfslinien


Diese optische Täuschung findet sich auch in Form einer sich drehenden Katze, wobei es bei dieser leichter ist, die Drehrichtung zu verändern:

Drehende-Katze

Bildquellen
http://www.moillusions.com/ (14-11-05)



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Tagesablauf, um glücklich zu sein



Übrigens fand sich in der Berliner Morgenpost vom 6. September 2013 ein Tagesablauf, der – angeblich wissenschaftlich abgesichert – jeden Menschen glücklich machen sollte. Ich möchte Sie hier kurz gefasst wiedergeben:

  1. Früh schlafen gehen, denn viel Schlaf sorgt dafür, am nächsten Tag nicht so anfällig für negative Gefühle und Erinnerungen zu sein.
  2. Hinaus an die Luft, wobei jemand, der ohnehin ins Büro muss, das damit erledigt hat – sofern er zu Fuß geht -, die anderen müssen nur den richtigen Moment dafür finden. Zwanzig Minuten verbessern die Laune und das Arbeitsgedächtnist. Ideal ist es, wenn die Sonne scheint, am besten mit rund 14 Grad, denn die Temperatur hat größere Auswirkungen auf das Wohlbefinden als Windstärke oder Luftfeuchtigkeit.
  3. Auf dem Weg zur Arbeit Pläne schmieden, etwa näher ans Büro zu ziehen, denn lange Wege dorthin sind auf Dauer belastend.
  4. Das gezielte Lächeln beim Umgang mir den Kollegen funktioniert und wirkt sogar schmerzlindernd. Wer es schafft, sich nicht auf falsches Lächeln zu beschränken,
  5. sondern es es noch mit mit schönen Gedanken herauszulocken, der hat noch mehr davon.
  6. Helfen sollte man etwa zwei Stunden pro Woche, denn das sind dann einhundert Stunden im Jahr, jene magische Zahl, bei der Geben seliger ist als Nehmen.
  7. Dankbar sein, dass man einen Job hat und schon den nächsten Urlaub planen kann, denn Dankbarkeit verhindert depressive Symptome und erhöht das Wohlbefinden und die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, ebenso wie der Arbeit selbst. Vorfreude beim Planen erhöht das Wohlbefinden ganze zwei Monate lang, während der Urlaub selbst dagegen keinen so durchschlagenden Effekt auf das persönliche Glücksempfinden hat.
  8. Sie müssen sich bewegen. Sport, und wenn es nur ein paar Minuten sind, gilt als eines der besten Mittel, um das Wohlbefinden zu steigern und Depressionen zu mindern. Sogar Depressive, die regelmäßig Sport treiben, verfallen nach sechs Monaten seltener in die Depression zurück als jene, die nur mit Medikamenten behandelt wurden .
  9. Viel Zeit mit der Familie und Freunden verbringen, denn wer das zu wenig tut, bereut dies meist auf dem Sterbebett. Erst Beziehungen machen unser Leben lebenswert, wobei auch hier die Qualität mehr als die Quantität zählt.
  10. Eine Runde Meditation verbessert die Konzentration und entspannt. Wer sich mit Meditation trotzdem nicht anfreunden kann, kann sich zumindest entspannen.



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Die Black-Box der Psychologie und die Neurowissenschaften



Ein Merkmal der Neurowissenschaften ist nach Felix Hasler, dass unbedeutende Forschungsergebnisse überverkauft werden, wobei von einer Revolution des Menschenbildes durch die Neurowissenschaften keine Rede sein kann. Hinzu kommt, dass die Hirnforschung in den letzten 50 Jahren kaum wichtige Erkenntnisse geliefert hat, wobei in den letzten Jahren die Selbstüberschätzung der Neurowissenschaften kontinuierlich zugenommen hat, siehe dazu NeurodidaktikNeuroökonomie, Neuroethik. Die sogenannten Erkenntnisse der Hirnforschung haben ja nicht dazu geführt, dass Kinder heute besser lernen oder das Verständnis psychischer Krankheiten besser geworden ist. Angestossen wurde der Hype vor allem durch bildgebende Verfahren, wenn etwa mit Hilfe funktioneller Magnetresonanztomografie die Gehirne von Versuchspersonen beim Treffen einer moralischen Entscheidung oder dem Betrachten eines abstrakten Kunstwerks untersucht werden. Solche Studien vermitteln der uninformierten Öffentlichkeit den Eindruck, dass die Forscher dem Gehirn direkt bei der Arbeit zuschauen können. Aber die Bilder zeigen meistens eine Aktivität im Gehirn, die sehr unspezifisch ist, und die Regionen, die aufleuchten, verwendet der Mensch auch bei einer Vielzahl anderer Prozesse. Bei komplexen Vorgängen bleibt am Ende kaum mehr als die Aussage, dass man dazu mehr oder weniger das gesamte Gehirn benutzt, was eine ziemlich banale Aussage darstellt. An den Überzeichnungen neurowissenschadtlicher Ergebnisse sind meist nicht die Forscher selber verantwortlich, sondern die Medien und ihre Konsumenten, denn ein Artikel über den Sitz der Liebe im Gehirn wird viel eher gelesen als ein Bericht über die Mikromechanismen in den Nervenzellen. Auch der Konkurrenzkampf um Fördergelder ist mittlerweile so gross, dass man als Wissenschaftler auch in der Öffentlichkeit gut sichtbar sein muss, sodass es auch aus diesem Grund zu Übertreibungen bei der Darstellung von Forschungsergebnissen kommt (zusammengefasst nach einem Interview in der Basler Zeitung vom 9. Dezember 2012).

Die Behauptung, dass nun endlich die Neurowissenschaften mit ihren neurobiologischen Methoden dabei helfen, die unergründliche Black-Box des menschlichen Gehirns einen Spalt zu öffnen, ist daher ein vor allem von wissenschaftsgläubigen Medien verbreiteter Unsinn, der vor allem deshalb auf Interesse stößt, da das Interesse an psychologischen Mechanismen schon immer vorhanden war, die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Psychologie aber kaum verbreitet oder umgesetzt wurden. Kurioserweise haben basale Erkenntnisse der Psychologie schon lange in Form einer Alltagspsychologie die Menschen erreicht, wenn man nur an die zahlreichen Begriffe der Psychoanalyse – z.B. das Unbewusste, die Verdrängung, das Ego, das Über-Ich – denkt, die Eingang in den Sprachgebrauch gefunden haben. Kaum jemand registriert noch im Alltag, dass auch Begriffe wie Frustration, Stress, Trauma oder Burnout klassische psychologische Erkenntnisse widerspiegeln. Schon seit langem ist das Gehirn für die Psychologie keine Black-Box, sondern der Begriff bezeichnet nur eine visualisierte hypothetische Modellvorstellung des Behaviorismus, die in dieser extremen Form ohnehin nie ernsthaft für real genommen wurde, sondern vor allem zur Abgrenzung der amerikanischen Psychologie von der europäischen, insbesondere der deutschen, gewählt wurde. Prinzipiell trägt die Neurowissenschaft zu den seit lange bekannten Mechanismen des menschlichen Denkens, Lernens oder auch Fühlens absolut nichts Neues bei, außer die ohnehin schon lange bekannte Tatsache zu untermauern, dass diese Phänomene auf ein biologisches Substrat zurückzuführen sind.

In den Neurowissenschaften muss man sich vor allem vor metaphorischen Sprechweisen hüten, wobei diese vom Menschen handeln sollen, jedoch in gleicher Wiese auf das Gehirn und seine Teile angewendet werden. Aber in einem Neuron sitzt niemand, der einen Hebel umlegt, so dass nun etwas durch eine Zellmembran diffundieren kann. Synapsen sind auch keine Schleusen, die jemand öffnet und schließt. Auf einer solchen Beschreibungsebene muss man alltägliche Vorstellungen von Ursache, Zweck und Handlung möglichst beiseite lassen, da sie zu Ende gedacht zu völlig unsinnigen Annahmen und Folgen führen.

Fünfzehn Neurowissenschaftler, Psychologen und Philosophen haben im März 2014 ein Memorandum mit dem Titel “Reflexive Neurowissenschaft” veröffentlicht, in dem sie ihre Kolleginnen und Kollegen zur kritischen Selbstreflexion ihrer Arbeit auffordern. Diese häuft demnach mit immer neuen Methoden Millionen von Messdaten über das Gehirn an, besitzt aber keine einheitliche Theorie des Gehirns. Gerhard Roth und Wolf Singer hatten 2004 bekanntlich in ihrem “Manifest der Hirnforschung” die Hoffnung geschürt, man könne das Gehirn bei Bedarf ganz einfach mit Medikamenten reparieren, denn sie verstanden psychiatrische Krankheiten vor allem als Defekte von Botenstoffen und ihrer Rezeptoren. Doch psychiatrische Erkrankungen sind bis heute neurowissenschaftlich noch nicht einmal genau diagnostizierbar, denn es sind eben keine reine Gehirnerkrankungen, was daher bedeutet, dass sich die Neurowissenschaft von der Auffassung verabschieden muss, die menschliche Psyche auf wenige Gehirnprozesse zurückführen zu können. Die Neurowissenschaft spricht vom Gehirn oft so, als sei es bei jedem Menschen identisch, doch es ist seit langem bekannt, dass sich Gehirne individuell äußerst stark unterscheiden. Das Areal für die Sprache kann etwa bei einem Menschen um mehrere Zentimeter größer sein als bei einem anderen, mehr rechts oder links liegen, denn die individuelle Lebenserfahrung und das, was ein Mensch im Laufe seiner Lerngeschichte macht, beeinflussen den Aufbau seines Gehirns. Interkulturellen Studien an Menschen zeigen, dass Gehirnareale, die für das Ich zuständig sind, bei westlichen Versuchspersonen nur aktiviert werden, wenn sie über sich selbst nachdachten, bei Menschen aus Asien dagegen waren sie auch dann aktiv, wenn sie an ihre Mutter dachten. Das Gehirn ist demnach auch ein zutiefst soziales Organ, denn es ist das Medium für die Beziehungen zwischen Biologie und sozialer Welt. Die neurowissenschaftliche Forschung müsste an das Gehirn systemischer herangehen, denn es geht dabei nicht nur darum, die inneren Systeme des Gehirns, seine Zellen, seine Anatomie, seine Aktivitätsmuster und seine Netzwerke zu analysieren, sondern diese müssten theoretisch in weitere Systeme eingebettet werden. Es besteht beim Menschen eine grundsätzliche Einheit zwischen Gehirn und Umwelt, d. h., Gehirnaktivitäten haben nur innerhalb und für bestimmte Kontexte einen Sinn. So sind etwa keine bestimmten Netzwerke im Gehirn jeweils nur für eine bestimmte Emotion wie Furcht oder Ärger zuständig, sondern Emotionen stellen situierte Konzeptualisierungen, haben also stets in einer bestimmten Situation für ein bestimmtes Individuum eine Bedeutung.

Black Box

Bildquelle: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/blackbox.jpg (12-04-06)

Übrigens: Kopien dieser vom Autor der Arbeitsblätter für eine seiner Lehrveranstaltung erstellten und offensichtlich recht beliebten Grafik finden sich im Internet auch auf folgenden Seiten:

  • http://www-user.tu-chemnitz.de/~lannek/
  • http://www.neuro24.de/show_glossar.php?id=284
  • http://kognitivismusundvielesmehr.blogspot.com/2011/01/kognitivismus_7082.html
  • http://www.stadtgeist.de/work/buecher/gogobox.htm (in schwarz-weiß)
  • http://www.cobocards.com/pool/de/cardset/3097193/online-karteikarten-deutsch-sprachtheorien/
  • http://themeanings.com/dashboard/plugin/page/word/behaviorism
  • http://themeanings.com/dashboard/plugin/page/word/behaviourism

Der Redakteur Maximilian Nowroth der WirtschaftsWoche schreibt unter dem Titel „Das miese Geschäft mit unserem Gehirn“ zu dem Trend, alles mit Gehirnforschung zu erklären: „Ein Reigen von Beratern will mit Erkenntnissen der Hirnforschung unser Alltags- und Berufsleben erleichtern. Und bringen die Forscherzunft in Verruf. Denn eins zu eins übertragen lassen sich die Ergebnisse nicht.“ Er bezieht sich bei seiner Kritik auf das Buch „Neuroscience for Leadership“ von Tara Swart, in welchem diese Führungskräften erklären will, wie sie mithilfe von „neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung“ zu besseren Managern werden. Ein simpler Tipp: Schafft euch morgendliche Routinen und spart eure geistige Energie für wirklich wichtige Entscheidungen. Macht es wie Zuckerberg und Jobs oder wenigstens wie US-Präsident Barack Obama –und verwendet möglichst wenig Energie auf die Kleidungswahl. Denn: Es ist wissenschaftlich erwiesen. Tipps wie diese bereiten nicht nur der Modeindustrie Kopfschmerzen. Hirnforscher Peter Mohr, Professor für Neuroökonomie an der Freien Universität Berlin, sieht eine Gefahr für seine ganze Branche: „Wenn allgemeine Erkenntnisse überverkauft werden, schadet das dem Ruf der Hirnforschung und lässt sie unseriös erscheinen.“ So ist es bei dem Rat zur einheitlichen Arbeitsuniform: Zwar zeigen Studien, dass eine geringere Zahl von Entscheidungen bessere Entscheidungen ermöglicht. Daraus auf die Zahl der Farben im Kleiderschrank zu schließen, ist reine Spekulation. (…) Die Lücke in der Forschung ist das Geschäftsmodell von selbsternannten Experten, die ihre Ideen unter dem Schlagwort „Neuroleadership“ vermarkten. Sie verstehen sich als Lautsprecher der zurückhaltenden Wissenschaftler und nehmen für sich in Anspruch, das Beste aus zwei Welten zu vereinen. In Wirklichkeit aber kreieren sie eine Scheinwelt.(…) Der amerikanische Unternehmensberater David Rock hat das Konzept 2006 entworfen und das „Neuroleadership Institute“ gegründet. Weder von ihm, noch von seinen Nachahmern sind wissenschaftliche Aufsätze über Hirnforschung zu finden. Unbeirrt davon verspricht Rocks Ratgeberbuch die Erkenntnis darüber, „wie wir mithilfe der Neurowissenschaft die Mechanismen unseres Gehirns effektiv nutzen und so zu Spitzenleistungen gelangen können“. (…) Anscheinend gibt es genügend kaufkräftige Kunden, die solchen Versprechen glauben. Rock und Swart haben jeweils ihre eigenen Beratungsfirmen und bieten Seminare an, die mehrere Tausend Dollar kosten – pro Tag. (…) Tara Swart verkauft auf ihrer Homepage sogar ein Getränk, das auf Basis von neuesten Erkenntnissen aus der Na-Sie-wissen-schon-Forschung gebraut wurde. Die Inhaltsstoffe: grüner Tee, Gurkenwasser und Kokosnussöl. Der Preis für den Neuro-Drink: acht Euro für 0,25 Liter.“

Quellen
Hubert, M. (2015). Die Grenzen der Hirnforschung: Neurodämmerung. SWR2 Wissen.
Nowroth, M. (2015). Das miese Geschäft mit unserem Gehirn. WirtschaftsWoche vom 11. Oktober 2015.



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