Zum Thema ‘Pädagogische Psychologie’

Die Pädagogische Psychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, das sich mit der Beschreibung und Erklärung der psychologischen Komponenten von Erziehungs-, Unterrichts- und Sozialisationsprozessen befasst.

Geschlechtsstereotype durch Sozialisierung



Mädchen wollen mager sein und sich anpassen: Sozialisierung prägt Geschlechtsstereotype

Bereits im Vorschulalter beginnt bei vielen Kindern eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper: Als Idealbild wünschen sich die meisten Mädchen eine magere Figur; Jungs möchten häufig muskulöser sein und stärker. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied nimmt während der Kindheit und Jugend häufig zu. Mädchen sind meist konformer als Jungen, allerdings kann, unter Berücksichtigung von sozialisations- und erziehungswissenschaftlichen Theorien, nicht davon ausgegangen werden, dass diese Unterschiede biologisch begründet, sondern vielmehr ein Folge des Sozialisationsprozesses sind.
Auch das soziale Klima innerhalb der Schule verursacht oder verstärkt häufig Geschlechtsdifferenzen, wobei LehrerInnen manchmal unterschätzen, wie wichtig die basalen sozialen Kompetenzen der einzelnen Mitglieder einer Schule sind. Auch der Druck der Peers und die Macht der dadurch bedingten Selbstsozialisierung der Kinder werden häufig unterschätzt.
Dieser die Geschlechtsmythen tradierende Mechanismus kann nur aufgebrochen werden, wenn Kinder und Lehrer diese Prozesse offen legen können und eine Schule ein ernstzunehmendes, umsetzbares Programm für eine geschlechtsneutrale Erziehung hat.



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Geschlechtsrollenorientierung und Aufgabenverteilung in kinderlosen Partnerschaften



Juliane Lamprecht, Jenny Wagner & Frieder R. Lang

Kinder? Küche? Karriere?- Dringlichkeit des Kinderwunsches, Geschlechtsrollenorientierung und Aufgabenverteilung in kinderlosen Partnerschaften

Nach der Geburt des ersten Kindes findet bei jungen Eltern oft eine Veränderung der bisherigen Aufgabenverteilung in Beruf, Freizeit und Familie statt. Die Väter ziehen sich in der Phase der Schwangerschaft bis zur Geburt des Kindes immer mehr von Haushaltsaufgaben zurück, während die Frau sich intensiver um Tätigkeiten wie waschen, bügeln, putzen und kochen kümmert.
Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit der Tatsachen, in wie weit es bei kinderlosen Paaren, bei denen die (erhöhte) Dringlichkeit eines Kinderwunsches besteht, zu einer Traditionalisierung der Geschlechtsrollen kommt.
In den letzten Jahren hat das traditionelle Rollenbild der Frau, als „Hausfrau und Mutter“ und des Mannes, als „Ernährer“ eine starke Wendung vollbracht. In der Gesellschaft wird nun ein Ideal verfolgt, das die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Beruf und Familie ermöglicht.
Seit den 1970er Jahren hat sich diese Rollenverteilung durch die bessere Ausbildung der Frau stark verändert, was aber auch dazu führt, dass sich die „heutige“ Frau Gedanken über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen muss.
Ein aktuelles Thema über, das sich die werdenden Eltern auch Gedanken machen, ist wann die biologische Uhr der Frau abläuft. Daher werden immer mehr Strategien eingesetzt um die Umwelt in Einklang mit dem angestrebten Ziel zu bringen.
„In der nicht, bzw. wenig, dringlichen Phase des Kinderwunsches besteht eine Funktionalität bei der Verwendung von selektiven primären und sekundären Kontrollstrategien, wobei sich die selektive primäre Kontrolle auf Verhaltensressourcen, wie Aufwand und Zeit, bezieht. Die selektive sekundäre Kontrolle charakterisiert die volitionale Selbstregulation in Hinblick auf das Ziel Elternschaft. In der Dringlichkeitsphase nehmen selektive primäre und sekundäre Kontrollstrategien weiter zu, wobei nun auch kompensatorische primäre Kontrollstrategien an Bedeutung gewinnen. Diese werden aktiviert, wenn die internalen Ressourcen für die Zielerreichung Elternschaft unzureichend erscheinen“ (vgl. J. Lamprecht 2008, S. 114).

Studie
Die Untersuchung der 40 Paare verfolgt drei Ziele:

  • Zum ersten will man aufzeigen, in wie fern sich Paare, je nach der Dringlichkeit des Kinderwunsches in ihren Geschlechtsrollenorientierungen unterscheiden.
  • Zweitens will man testen, wie sich die Aufgaben in Haushalt, Beruf und Familien aufteilen.
  • Drittens soll ermittelt werden in wie fern sich die Dringlichkeit des Kinderwunsches auf entwicklungsregulative Strategien der primären und sekundären Kontrolle auswirken.

Die ausgewählten Paare im Großraum Halle/Leipzig wurden einzeln durch einen Fragebogen am Computer befragt und benötigten durchschnittlich 90 Minuten. Die Partner durften sich kurz beraten und beantworteten den Fragebogen jedoch getrennt. Die Paare wurden in Gruppen aufgeteilt, je nach dem viel stark der Kinderwunsch vorhanden ist. Der Durchschnitt ergab, dass die Paare seit 7 Jahren zusammen sind, seit 5 Jahren gemeinsam in einem Haushalt leben und fast die Hälfte der Befragten einen Hochschulabschluss hat.
Die erste Auswertung ergab, dass die befristet Kinderlosen und die Paare mit einem mittelstarken Kinderwunsch jünger als die anderen Untersuchungsgruppen, außerdem wird deutlich, dass die Paare mit dringlichem Kinderwunsch häufiger verheiratet sind (vgl. J. Lamprecht 2008, S. 115f).


Kinderwunschmotive
Es wird auch auf die Kinderwunschmotive eingegangen, also warum sich die Paare Kinder wünschen und welchen Lebenswandel sie sich dadurch erhoffen. Diese Untersuchung wird wiederum in folgende Subskalen eingeteilt:

  • Emotionale Stabilisierung und Sinnfindung („Ein Kind gibt meinem Leben einen Sinn“)
  • Persönlichen Einschränkung und Probleme („Ich bin zu ungeduldig um ein Kind zu erziehen“)
  • Soziale Anerkennung und Identitätsbildung („Kinderlosigkeit bedeutet gesellschaftliche Abwertung“)
  • Unzureichende materielle und soziale Unterstützung („Es fehlt die nötige staatliche Unterstützung für die Familie“) (vgl. J. Lamprecht 2008, S. 117f)

Aufgabenverteilung
Die nächste Befragung beschäftigt sich mit der Aufgabenverteilung im Haushalt. Dabei will man wissen wie viel Zeit der Mann und die Frau in Produktions- und Reproduktionsarbeiten investiert. Der Bereich Reproduktionsarbeit wurde in Haushalt und Freizeit unterteilt. Zum Haushalt zählen unter anderem „Mahlzeit zubereiten“, „Aufräumen und Putzen“und „Handwerklichen Tätigkeiten“. Der Bereich Freizeit wurde in „Freizeit mit dem Partner“, „Freizeit ohne Partner“ und „Freizeit allein“ unterteilt. Die Auswertung zeigt zwei signifikante Unterschiede in der Aufgabenverteilung: Der Mann beteiligt sich mehr in dem Bereich „Handwerkliche Tätigkeiten“ als die Frau und umgekehrt beschäftigt sich die Frau mehr mit „Aufräumen, Putzen, Waschen, Bügeln“. (vgl. J. Lamprecht 2008, S. 117)

Entwicklungsregulative Kontrollstrategien
Dabei wurden die Kontrollstrategien in drei Gruppen unterteilt:

  • selektive primäre Kontrolle („Ich lasse nichts unversucht um Kinder zu bekommen“)
  • kompensatorische primäre Kontrolle („Wenn es schwierig wir meinen Kinderwunsch zu erfüllen, suche ich Hilfe bei anderen“)
  • selektive sekundäre Kontrolle („Ich stelle mir oft vor, wie gut ich mich fühlen werde, wenn ich ein zweites Kind bekomme“) (vgl. J. Lamprecht 2008, S. 117f)

Bei dieser Auswertung wurden die motiviert kinderlosen Paare ausgeschlossen, da es für die Studie nicht sinnvoll erscheint. Es konnten bei den drei befragten Gruppen signifikante Unterschiede festgestellt werden. Eine Tatsache die wenig überraschend ist, ist dass Paare mit hohem und mittelstarkem Kinderwunsch mehr Zeit und Aufwand in das Ziel der Elternschaft investieren als kinderlose Paare. Je mehr sich Paare Kinder wünschen, desto höher ist die Zunahme an primären und sekundären selektiven Kontrollstrategien (vgl. J. Lamprecht 2008, S. 118f)

Grenzen der Studie
Zu beachten ist bei der Studie, dass nur eine kleine Stichprobe genommen wurde und jede Untersuchungszelle nur aus 10 Paaren bestand. Außerdem stellt sich die Frage ob sich bei kinderlose Paare überhaupt eine zeitliche Entwicklung erstellen lässt, weil man die Zukunftspläne nicht kennt. „Für Folgestudien lässt sich hier beispielsweise die Frage aufwerfen, welche paarspezifischen Einflussgrößen und damit auch welche beziehungsregulativen Mechanismen den Kinderwunsch der Frau und des Mannes beeinflussen. Eine längsschnittliche Betrachtung der Paare verspricht zudem weitere Erkenntnisse“ (vgl. J. Lamprecht 2008, S. 122).

Verwendetet Literatur
Lamprecht J., Wagner J., Lang F. (2008). Kinder? Küche? Karriere?- Dringlichkeit des Kinderwunsches, Geschlechtsrollenorientierung und Aufgabenverteilung in kinderlosen Partnerschaften. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 40(3). S. 112-123



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Schulisches Leistungsfeedback



Identitätsbedrohung durch positives schulisches Leistungsfeedback
Die Erledigung von Entwicklungsaufgaben im Konflikt mit schulischem Engagement

In der pädagogischen Ausbildung wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, Schüler mit Lob und positivem Feedback zu motivieren. Unter gewissen Umständen kann dies, seitens der Jugendlichen, aber als Bedrohung wichtiger Identitätsaspekten, wie zum Beispiel Distanzierung zur Lehrperson oder „geschlechtsbezogene“ Interessen, wahrgenommen werden. Nachfolgend werden zwei Studien untersuchen, ob positives Leistungsfeedback, wegen einer Zuschreibung an einer Abhängigkeit von Lehrern (Studie 1) oder aus Nichtübereinstimmen mit einem geschlechterspezifischen Interesse (Studie 2), zurückgewiesen wird (vgl. Kessels et al. 2008, S. 22f).

Studie 1
Methode und Ablauf der Untersuchung
⇒    132 SchülerInnen aus fünf achten Klassen einer Berliner Gesamtschule
⇒    davon 65 SchülerInnen als Beobachter
⇒    Durchschnittsalter 14,8 Jahre
Die SchülerInnen bekamen einen Test, deren Inhalt nicht zu einem bestimmten Unterrichtsfach zuordenbar ist. Nach Abgabe der Tests verließen die Versuchsleiter mit den Tests das Klassenzimmer, um eine Auswertung vorzutäuschen. Jedoch wurden sie nach dem Geschlecht sortiert und zwei Gruppen gebildet. Die SchülerInnen der Gruppe 1 bekamen als Feedback:“Du hast sehr vieles richtig; du hast die Aufgaben sehr gut und sehr clever gelöst“. Die SchülerInnen der Gruppe 2 „Du hast sehr vieles richtig; du hast die Aufgaben sehr gut und sehr clever gelöst. Du bist sicher ein/e SchülerIn, auf den/die deine Lehrer richtig stolz sind“. Als den getesteten SchülerInnen ihr Feedback übermittelt wurde, wurden sie von BeobachtungsschülerInnen beobachtet (vgl. Kessels et al. 2008, S. 24f).
Ergebnisse
Nach der Unterstellung, ein/e SchülerIn zu sein, auf den/die die Lehrer richtig stolz sein können, wurde seitens der SchülerInnen angegeben weniger Zeit mit Hausübungen zu verbringen, als wenn den SchülerInnen nur das sehr positive Leistungsfeedback übermittelt wurde. Die Leistungen wurden aufgrund der unterstellten Nähe zu Lehrern hinunter gespielt (vgl. Kessels et al. 2008, S. 25).

Studie 2
Methode und Ablauf der Untersuchung (vgl. Kessels et al. 2008, S. 25f).
⇒    143 SchülerInnen (72 Mädchen, 71 Jungen) getestet.
⇒    Sechs allgemeine Physikaufgaben, leicht für SchülerInnen dieser Altersstufe lösbar.
⇒    Zwei mögliche Feedbackrückmeldungen, erste („Physiktalent“, berufliche Zukunft denkbar), zweite (durchschnittliche Physikbegabung, keine Empfehlung, ob beruflich eingeschlagen werden soll).
⇒    Nach erhaltenem Feedback mussten die Testschüler bei 20 Zeitschriftenartikel mit Schulnotensystem angeben, wie gern sie diesen Artikel lesen würden. (Zehn Physik relevante Überschriften + zehn, je nach Geschlecht, auf typisch männliche bzw. weibliche Interessen abgestimmte Inhalte).

Ergebnisse
Jungen, denen ein „Physiktalent“ als Feedback gegeben wurde, interessierten sich demnach mehr für physikrelevante Zeitungsartikel, als Jungen, denen eine durchschnittliche Physikbegabung mitgeteilt wurde. Bei den Mädchen war dieses Reaktionsmuster nicht zu erkennen. Egal ob sie „Physiktalent“ oder durchschnittliche Physikbegabung als Feedback erhielten, war das nachfolgende Zeitschrifteninteresse an Physikthemen gleich hoch/gering, somit konnte hier kein Unterschied, hervorgerufen vom Feedback, festgestellt werden (vgl. Kessels et al. 2008, S. 27f).

Schlussfolgerungen
⇒    In der pubertären Entwicklung der eigenen Identität können Jugendliche, für Erwachsene normale, „Selbstkonzept-Verteidigungsstrategien“ noch nicht einsetzen, da die eigene Persönlichkeit noch zu instabil erscheint.
⇒    Um Differenzen zwischen einem Jugendlichen und der Peergruppe zu vermeiden, sollten Lehrer darauf verzichten Stolz auf einzelne Jugendliche bzw. Gruppen zum Ausdruck zu bringen, um deren Unabhängigkeit und Distanz zur Lehrperson nicht zu untergraben.
⇒    Für Pädagogen ist es wichtig, dass gute Schulleistungen niemals aufgrund der Nähe vom Schüler zur Lehrperson (Lieblingsschüler) rück zu führen sein dürfen. Vielmehr sollten positive Schulleistungen auf eine Art und Weise kommuniziert werden, in der eine gewisse Distanz und Unabhängigkeit gewahrt werden kann.

Literatur
Kessels, U., Warner, L. M., Holle, J. & Hannover, B. (2008). Identitätsbedrohung durch positives schulisches Leistungsfeedback. Die Erledigung von Entwicklungsaufgaben im Konflikt mit schulischem Engagement. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 40, 22-31.



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