Zum Thema ‘Gehirnforschung’

Die moderne Gehirnforschung begann mit der Phrenologie, als Franz Joseph Gall Zusammenhänge zwischen Arealen des Gehirns und kognitiven Funktionen herstellte.

Psychologie der Entscheidung



Abends muss man die Idee haben, morgens die kritische Haltung und mittags den Entschluss treffen.
André Kostolany

Einen Überblick über die Entscheidungsforschung in der Psychologie und die aktuellen Theorien und Forschungsergebnisse wie die Grundfaktoren von Entscheidungsprozessen, Präferenzen, Zielkonflikten und Unsicherheit sowie Abwägen der Entscheidungsfolgen stellt die Neuauflage dieses Klassikers dar.

Besonders hervorzuheben sind die Kapitel zu wichtigen aktuellen Anwendungsfeldern der Entscheidungsforschung:

  • Financial Decision Making
  • Aeronautical Decision Making
  • Medical Decision Making
  • Health-related Decision Making.

Das Buch bietet eine hervorragende Einführung in und einen profunden Überblick über die Psychologie des Entscheidens, da die AutorInnen auch komplexe Sachverhalte gut erklären können.

Entscheidungen werden im Gehirn übrigens nicht in einer einzigen Region gefällt, sondern entstehen gleichzeitig in einem dichten Netzwerk sogenannter Assoziationsbereiche des Frontal– und Parietallappens, von denen die neuronalen Entscheidungssignale sowohl an motorische Regionen zur Steuerung der Bewegungshandlung weitergeleitet werden, als auch an sensorische Regionen, wo die Sinnesreize zuerst verarbeitet werden, die der Entscheidung zugrunde liegen. Die getroffene Entscheidung wird also auch an jene Hirnregionen zurückgemeldet, aus denen die sensorische Information stammte, wobei in diesem Netzwerk auch der Kontext der Entscheidungssituation verarbeitet wird, denn während einer Entscheidung werden Kontextsignale an verschiedene andere motorische und sensorische Hirnregionen gesendet. Selbst einfachen Handlungsentscheidungen liegt ein komplexes Wechselspiel zwischen weit verteilten Hirnregionen zugrunde. Das Gehirn berücksichtigt dabei die Art des Reizes, gleicht diesen mit dem Kontext ab, tauscht Informationen aus und leitet schließlich die passende Reaktion ein, die sich für für die Menschen dann ganz sebstverständlich erscheint (Siegel et al., 2015).

Das bewusste Abwägen bei Entscheidungen hat auch seine Grenzen, denn wenn man allzu sehr über die Gründe einer Entscheidung für eine bestimmte Sache nachdenkt, kann das auch zu schlechten Entscheidungen führen, weil man sich mit der Länge des Nachdenkens auch auf nichtoptimale Kriterien konzentriert. Bauchentscheidungen können in manchen Situationen einer rationalen Strategie überlegen sein, wobei diese dann gut funktionieren, wenn sie auf Fachwissen beruhen. Bewusste Entscheidungen zu treffen kann aber auch sehr fordernd sein, vor allem wenn sehr häufiges Entscheiden notwendig ist.

Bei Entscheidungen sind zu viele Auswahlmöglichkeiten oft hinderlich, auch wenn eine große Auswahl von Menschen generell als attraktiv angesehen wird. Man vermutet daher, dass mit einem größer werdenden Angebot an Optionen die Vorteile der größeren Auswahl immer geringer werden, d.h., die Wahrscheinlichkeit, dass eine noch bessere Option dabei ist, wird immer geringer. Umgekehrt nehmen die Kosten, eine Entscheidung zu treffen, immer stärker zu, denn man braucht mehr Zeit, kann sich nicht alle Optionen merken, denn der Vergleich wird schwieriger. Ab einem bestimmten Punkt übersteigen die kognitiven Kosten die Vorteile einer großen Auswahl und man wird dabei demotiviert, ist letztlich unzufrieden mit der Entscheidung oder trifft dann überhaupt keine Entscheidung mehr.

Reutskaja et al. (2018) haben untersucht, was dabei im Gehirn vor sich geht, und es zeigte sich, dass Probanden eine kleine Auswahl an sechs Produkten als zu gering ansahen, die Wahl aus vierundzwanzig hingegen war diesen zu schwierig, wobei die optimale Auswahlgröße bei den meisten etwa Zwölf betrug. Die Gehirnaktivität in den Basalganglien und dem anterioren cingulären Cortex, die an Entscheidungsprozessen beteiligt sind, spiegelte diese präferierte mittlere Auswahlgröße wider. Die Gehirnaktivität in diesen Arealen war immer dann am höchsten, wenn zwölf Produkte zur Wahl standen. Die ForscherInnen vermuten, dass die Aktivität in diesen Arealen die Differenz zwischen dem kleiner werdenden Nutzen eines größer werdenden Auswahlangebots und den steigenden Bearbeitungskosten widerspiegelt. Wird die Auswahl zu groß, übersteigen die Kosten den Nutzen, die Aktivität sinkt, und es entsteht die berühmte Qual der Wahl.

Siehe auch Wie beeinflussen Routinen das Entscheidungsverhalten?

Literatur

Reutskaja, E., Lindner, A., Nagel, R., Andersen, R. A. & Camerer, C. F. (2018). Choice overload reduces neural signatures of choice set value in dorsal striatum and anterior cingulate cortex. Nature Human Behaviour, doi:10.1038/s41562-018-0440-2.
Siegel, M., Buschman, T. J. & Miller, E. K. (2015). Cortical information flow during flexible sensorimotor decisions. Science, 348, 1352-1355.



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