‘Forschung’

Die Psychologie erforscht menschlichen Erlebens und Verhalten, die Entwicklung des Menschen von Geburt an bis zum Tod sowie die physischen Ursachen und äußeren Einflussfaktoren.

Hirnfunktionen hängen vom Kulturkreis ab

Donnerstag, März 1st, 2018

Nach den Ergebnissen der traditionellen Wahrnehmungspsychologie ist Wahrnehmung einerseits angeboren und andererseits durch Lernprozesse veränderbar Man weiß von Kindern, dass sie bildhaft denken und dass dieses bildhafte Denken nach Schuleintritt zunehmend „zeichenorientiert“ (ABC, Buchstaben) wird. Asiaten „schreiben“ in einer Schrift, die aus „Bildern“ der entsprechenden Objekte entstanden ist. Auch nach Schuleintritt wird durch die „Bilder-Schriftzeichen“ weiterhin intensiv geübt, sodass deren Bildwahrnehmung auch nach Schuleintritt bestehen bleibt. Die kindliche „Bildvorstellung“ wird dort also nicht zugunsten einer abstrakten „Zeichensprache“ aufgegeben.

Diese Erklärung versucht für die Hypothese, dass dieselben visuellen Wahrnehmungsaufgaben bei unterschiedlicher Kulturzugehörigkeit verschieden gelöst werden. Demnach extrahieren Amerikaner Objekte aus ihrer kontextuellen Abhängigkeit, während Asiaten Objekte in der Gesamtheit ihrer kollektiven und kontextuellen Abhänigkeit wahrnehmen. Diese kulturellen Unterschiede beeinflussen sowohl die Wahrnehmung, als auch die Speicherung von Informationen und sie spiegeln sich in unterschiedlichen Hirnaktivitätsmustern.

John Gabrieli (Institut für Hirnforschung MIT) untersuchte 10 Amerikaner und 10 Ostasiaten mittels einer funktionellen Magnet-Resonanz-Tomografie (fMRI), wobei diesen Probanden Objekte (von Quadraten umrahmte Linien) für Vergleiche gezeigt wurden. Bei gleichen Leistungen waren bei den Probanden je nach Kulturzugehörigkeit unterschiedliche Aktivierungsmuster der Hirnaktivierung feststellbar.
Quellen: http://neurowissenschaften.blogspot.com/
„Psychological Science“ Jänner 2008.



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PubPsych – ein Open Access Psychologie-Suchportal

Mittwoch, September 20th, 2017

Unter der Federführung des Leibniz-Zentrums für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) an der Universität Trier bzw. von zahlreichen europäischen und amerikanischen Informationsanbietern wird PubPsych zur Verfügung gestellt, ein Open Access Psychologie-Suchportal mit europäischem Schwerpunkt. Das Suchportal PubPsych bietet einen breiten und fundierten Überblick über psychologisches Wissen und wird  bereitgestellt.

PubPsych unterstützt den offenen Zugang zu Bildungsressourcen und enthält Referenzen mit umfassender Indexierung und Kurzdarstellungen zu Zeitschriftenartikeln, Büchern, Buchkapiteln, Dissertationen, Interventionsprogrammen und Forschungsdaten aus allen Bereichen der Psychologie sowie psychologischen und pädagogischen Testverfahren. PubPsych wird kontinuierlich aktualisiert und ausgebaut, um es als entgeltfreie Recherchemöglichkeit für die Psychologie und ihre Nachbardisziplinen weiter zu optimieren.

2017 enthält das Psychologie-Suchportal PubPsych schon mehr als eine Million Datensätze. Großen Zuwachs hat es im März gegeben, weil mit dem jährlichen Reload der Datenbank MEDLINE der National Library of Medicine (USA) und einem neuen Abzug der Datenbank NARCIS vom Data Archiving and Networked Services aus den Niederlanden mehr als 40.000 neue Datensätze integriert werden konnten. Auch das jährliche Update der Datenbank Eric vom Education Resources Information Center in den USA brachte weitere Datensätze.

Link: http://pubpsych.de/



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Persönlichkeitsentwicklung von Einzelkindern

Donnerstag, Mai 11th, 2017

Es gibt nur wenige Anhaltspunkte dafür, dass Einzelkinder typische Persönlichkeitsmerkmale ausbilden, hinsichtlich derer sie sich von Geschwisterkindern unterscheiden. Das Einzelkinddasein erweist sich dann als Risikofaktor, wenn z.B. Eltern ihr einziges Kind zu sehr mit Wünschen, Ansprüchen, Forderungen und Förderungen überfrachten, wenn sie nicht loslassen können und es überbehüten und nicht angemessen abnabeln, aber auch Eltern, die sich gefühlsmäßig wenig engagieren, distanziert bleiben und kaum Anteil nehmen am Wohl ihres Kindes, weil ihnen die Partnerschaft oder der Beruf wichtiger sind, erweisen sich als gewisser Risikofaktor, der jedoch in Mehrkinderfamilien ebenso zu registrieren ist.
Das bedeutet aber nicht, dass sich im Einzelfall die Tatsache als Einzelkind – z.B. mit einer überbehütenden, grenzüberschreitenden Mutter aufzuwachsen – nicht schicksalhaft auswirken kann. Dies ist jedoch nicht typisch für eine größere Gruppe von Einzelkindern und lässt sich allenfalls übertragen auf andere, ähnlich beschaffene Einzelfälle. Es gibt auch keine wissenschaftlich fundierte Berechtigung dafür, Einzelkinder in einer Gruppe zusammenzufassen und mit Geschwisterkindern zu vergleichen. Einzelkinder wachsen unter Bedingungen auf, die denen von Geschwisterkindern weitgehend entsprechen, denn es führt z.B. das Aufwachsen mit nur einem Elternteil bzw. die Berufstätigkeit beider Eltern zu vergleichbaren Effekten gleichgültig, ob ein Kind ein Geschwister hat oder keines. Entscheidend für die Persönlichkeitsentwicklung sind die tagtäglichen Erziehungs- und Sozialisationserfahrungen, mit denen es Einzelkinder und Geschwisterkinder zu tun haben, sowie die Art und Weise, wie diese subjektiv wahrgenommen und verarbeitet werden.
Ob Menschen als Einzelkinder oder mit Geschwistern aufwachsen, kann übrigens auch die Entwicklung des Gehirns beeinflussen, wobei die Familiensituationen eine unterschiedliche strukturelle Entwicklung des kindlichen Gehirns bewirken können. Untersucht (Yang et al., 2017) wurden Studenten, die in einer Familie mit zwei Elternteilen aufgewachsen waren, wobei diese neben Gehirnscans auch Kreativitäts- und Intelligenztest und Persönlichkeitstest durchführen mussten. Es zeigten sich bei Volumenunterschiede der grauen Substanz im Gehirn, wobei diese bei Einzelkindern in jenem Bereich ausgeprägter war, der mit der Vorstellungskraft zusammenhängt, jedoch war sie schlechter in den Arealen entwickelt, der mit sozialem Verhalten in Verbindung steht. Einzelkinder schnitten bei Kreativitätstests besser ab, bei den Verhaltenstests hingegen schlechter.

Siehe dazu die Texte Ich war ein Einzelkind, Plötzlich kein Einzelkind mehr

Literatur
Kasten, Hartmut (1995). Einzelkinder – Aufwachsen ohne Geschwister. Berlin: Springer.
Yang, J., Hou, X., Wei, D., Wang, K., , Li, Y. & Qiu, J. (2017). Only-child and non-only-child exhibit differences in creativity and agreeableness: evidence from behavioral and anatomical structural studies. Brain Imaging and Behavior, 11, 493–502.



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