Initiative gegen Cyber-Mobbing

Das Department for Education der Britischen Regierung informiert im Kampf gegen Mobbing auf einer eigenen Website zielgruppengerecht SchülerInnen, LehrerInnen und auch Eltern. Neben der Erhebung von Fakten werden konkrete Maßnahmen gesetzt, um Opfer von „cyberbullying“ zu unterstützen: Mit Hotlines und Ratschlägen, wie Kinder bei Attacken in verschiedenen Situationen am besten reagieren sollen. Die Eltern und LehrerInnen erhalten mit Case studies und Videos Aufklärung, wie sie sich in Mobbingfällen verhalten können:
http://www.dfes.gov.uk/bullying/index.shtml

In der Studie „Cyberbullying in Internet-Chatrooms – Wer sind die Täter?“ von Katzer, Fetchenhauser & Belschak (2009) wurde ein Vergleich von Bullying in Internet-Chatrooms mit Bullying in der Schule aus der Täterperspektive durchgeführt. Der Kern dieser Studie war also die Betrachtung des Cyberbullying in Internet-Chatrooms aus der Täterperspektive und aufzuzeigen, wie verbreitet diese virtuelle Art des Bullyings ist und eine Skala zur Erfassung von Cyberbullying in Internet-Chatrooms zu entwickeln. Des Weiteren wurden durch den Vergleich von Schulbullying und Cyberbullying konvergente Kriterien herausgearbeitet. Des Weiteren stellt sich die Frage nach den Risikofaktoren dieses Verhaltens und den Zusammenhang zwischen schulischem Täterverhalten und jenem des Internet-Chatrooms. Um diese Fragen zu klären, wurden von April bis Juli 2005, 1.700 Schüler einer weiterführenden Schule zwischen 10 und 20 Jahren standardisiert befragt. Die Methode der Schülerbefragung, die in dieser Studie angewendet wurde, erweist sich als empfehlenswert. Denn durch diese wird eine klare Zuordnung der Probanden bezüglich Alter, Geschlecht und Klassenstufe ermöglicht.
Die Studie bestätigte das Exempel des Bullying als Untersuchungskonzept einer Art von Aggressionen in Chatrooms. Formen des Schulbullying, wobei man hier Beschimpfungen oder Hänseleien versteht, treten in den Internet-Chatrooms oftmals auf. In vielen Fällen treten die jungen Menschen wiederholt als Cyberbullies in den Chaträumen auf und viktimisieren häufig dieselben Opfer. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in der Situation des Bullying die typischen Bedingungen eines Machtungleichgewichts zwischen Täter und Opfer vorliegt. Beispielsweise sind Cyberbullies oftmals Mitglied in Chatcliquen. Die Chatopfer sehen sich selber meist als Außenseiter in den Chatrooms (vgl. Katzer, Fetchenhauser & Belschak, 2009, S. 41).
Während dieser Studie wurde eine konsistente Skala zu Erfassung von Cyberbullying entwickelt. Um die beiden Bullyingtypen vergleichen zu können, musste das Täterverhalten in beiden Kontexten erhoben werden. Es wurde eine Skala in Anlehnung der Täterskala von Olweus (1989) entwickelt. Daraus wurden verschiedene äquivalente Items formuliert. Das Messinstrument zur Erfassung von Cyberbullyingverhalten in Internet-Chatrooms weist 2 Dimensionen von Handlungskontexten auf. Die erste Dimension heißt „Tatort Chatroom“, die zweite bezeichnet sich als „Tatort Schule“. Die beiden Bullying-Phänomene können so den spezifischen Tatorten zugeordnet werden (vgl. Katzer, Fetchenhauser & Belschak, 2009, S. 35).
Ein bedeutsamer Zusammenhang zwischen Täterschaft in der Schule und der Täterschaft in Internet-Chatrooms wurde mit der Studie bestätigt. Die Mehrheit der Schulbullies tritt ebenso als Cyberbully auf. Es zeichnete sich ein deutlicher Geschlechterunterschied ab. Jungen werden häufiger zum Täter als Mädchen. Ein Betrachten der Schulform die die Bullies besuchen, zeigt auf, dass Berufsschüler am Häufigsten in Chatrooms als Cyberbullies auftreten. Weniger oft sind Gymnasiasten und Real-und Gesamtschüler als Cyberbully tätig. Ein Zusammenhang zwischen Häufigkeit und Dauer der Chatbesuche wurde nicht beobachtet. Jedoch wurde durch die Befragung aufgezeigt, dass eine Verknüpfung zwischen Bildungsgrad und Chatroomnutzung vorhanden ist. Jugendliche die eine Realschule oder eine Gesamtschule besuchen, chatten öfter und länger als Gymnasiasten und Berufsschule. Des Weiteren kam man zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit aller befragten einen Internet-Chatroom nützt und das dieser ein bedeutendes Beziehungsmedium darstellt. Wobei knapp 70 % aller befragten 10-19 Jährigen angaben, regelmäßig zu chatten. Die Jugendlichen chatten an Schultagen weniger, als an schulfreien Tagen (vgl. Katzer, Fetchenhauser & Belschak, 2009, S. 37,).
Die Variablen Delinquenz, Gewaltbefürwortung und Internetdissozialität waren die bedeutendsten Prädikatoren für die Erscheinung Cyberbullying. Die Ergebnisse zur Dissozialität im Internet geben Hinweise darauf, dass Jugendliche ihre Aggressionsbereitschaft und Delinquenz nicht auf das schulische Umfeld und virtuelle Umfeld begrenzen. Die beiden Bullyingtypen sind daher nicht getrennt von der Problematik der Jugendissozialität oder Jugenddelinquenz zu betrachten. Ein Pendeln der Jugendlichen zwischen Dissozialität und Delinquenz im Schulumfeld und im Internet ist häufig (vgl. Katzer, Fetchenhauser & Belschak, 2009, S. 37,). Virtuelle Tatorte sollten stärker in das Blickfeld der Aggressionsforschung gerückt werden, Bei Bullying handelt es sich um ein kontextübergreifendes Phänomen, deshalb sollten Zusammenhänge zwischen aggressivem, delinquenten und abweichendem Verhalten im virtuellen und physischen Umfeld sowie im Familienumfeld beachtet werden (vgl. Katzer, Fetchenhauser & Belschak, 2009, S. 42).
Literatur
Katzer, C., Fetchenhauser, D. & Belschak F. (2009). Cyberbullying in Internet-Chatrooms – Wer sind die Täter. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 34-42.




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