Persönlichkeit des Gründers und Unternehmenserfolg

Christian Korunka, Hermann Frank und Manfred Lueger

Die Bedeutung der Persönlichkeit für die Gründungsintention, die Gründungsrealisation und den Unternehmenserfolg

In mehreren Studien kommen die Autoren mittels einer Regressionsanalyse zu dem Ergebnis, dass Persönlichkeitsmerkmale insbesondere die Gründungsintentions-Phase, also die Willensentstehung, ein Unternehmen zu gründen, beeinflussen können. Der weitere Gründungsprozesses, von der tatsächlichen Anzahl an Unternehmensgründungen bis hin zu deren Erfolgsquote, gemessen am Mitarbeiterwachstum, lässt jedoch immer weniger auf ähnliche, oder sogar gleiche Persönlichkeitsmerkmale der Gründer/Innen schließen (Korunka, Frank & Lueger, 2004, S.25).

Zusammenfassung der „Wiener Gründungsstudien“
Vier voneinander getrennte Studien mit unterschiedlichen Zielgrößen, basierend auf einem konfigurationstheoretischen Ansatz, welcher den Bereich Persönlichkeit mit dem Kontext Umwelt-, Entwicklungs- und Prozessmerkmale verbindet, haben hierzu den Aufschluss gegeben.
Auswirkungen ausgeschlossener Einflussfaktoren
Im Zusammenhang mit der Untersuchung der Persönlichkeit von potenziell in Frage kommenden und bereits erfolgreichen Gründern/Gründerinnen, scheint den Wissenschaftlern die Betonung jener Einflussfaktoren, die von den Untersuchungen ausgeschlossen sind, besonders wichtig. Sowohl die Komplexität des Gründungsgeschehens, als auch die Stabilität von Persönlichkeitsmerkmalen und damit verbundene methodische Schwierigkeiten der Messbarkeit, können derartige Untersuchungen verzerren (Frank, 1997). Desweiteren wird auch auf die Heterogenität erfolgreicher Gründer/Innen, deren Einordnung in verschiedene Berufsgruppen und die unterschiedliche Definition des Erfolgsbegriffs hinsichtlich persönlicher Ziele hingewiesen (Gartner, 1985, Korunka, Frank & Lueger, 2004, S. 26 f.).

Einzelergebnisse der vier Studien
Die befragte Gruppe der ersten Studie setzt sich aus Schülern/Schülerinnen im Abschlussjahrgang zusammen, die mit ziemlicher Sicherheit bereits über ihr späteres Berufsziel nachdenken. Die Wissenschaftler stellen fest, dass hier der Persönlichkeit neben Rollenvorbildern, Technologieausnutzung und Unternehmerorientierungsgrad der Schule, eine besonders wichtige Rolle zukommt. Die zweite Untersuchung zielt auf die Wahrscheinlichkeit ab, wonach Studierende, in Abhängigkeit von ihrer gewählten Studienrichtung, eine spätere berufliche Selbständigkeit anstreben. Vor allem Wirtschaftsstudenten tragen sich im Gegensatz zu Technikern und Sozialwissenschaftlern mit diesem Gedanken. Festzuhalten ist jedoch, dass die Persönlichkeit deutlich an Einfluss verliert und in erster Linie das soziale Netzwerk und Rollenvorbilder entscheidende Faktoren darstellen. Jene Personen zwischen 18 und 61 Jahren, die sich mitten in einem Gründungsprozess befinden, oder kurz davor, selbständig einen Betrieb zu führen, werden laut dem Ergebnis der dritten Studie nur gering durch ihre Persönlichkeit beeinflusst, sondern vielmehr von Faktoren wie Unterstützung in der Vorbereitungsphase oder ihrer Risikoneigung .Die Gründungserfolgs- Studie zeigt schließlich, dass Betriebe ihre Mitarbeiter bevorzugt dann verdoppeln, oder um mindestens fünf Personen steigern, wenn sie nicht aus einer Not heraus, sondern durch vorwiegenden Eigenwillen gegründet werden und eine gute Netzwerkverknüpfung aufweisen (Korunka, Frank & Lueger, 2004, S.31-35).

Resumée der Untersuchung
Persönlichkeitsmerkmale prägen vor allem die Gründungsintentions- und Gründungsprozessphase, da es gerade in diesen Phasen auch oft zu Persönlichkeitseinschätzungen durch andere Personen kommt. Die Erfolgs- oder Expansionsquote eines Unternehmens unterliegt hauptsächlich anderen Umweltfaktoren. Die Wissenschaftler weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass die Persönlichkeitsförderung junger, zukünftiger Unternehmer insbesondere durch sinnvolle bildungspolitische Maßnahmen positiv beeinflusst werden kann.
(Korunka, Frank & Lueger, 2004, S. 36-38)

Verwendete Literatur

Frank, H. (1997) Entwicklungsprozesse von Unternehmensgründungen. Ein Beitrag zur Re-Konstruktion der Entwicklungslogik und – dynamik originärer Gründungen. Habilitationsschrift, Wien.
Gartner, W. B. (1985). A conceptual framework for describing the phenomenon of new venture creation. Academy of Management Review, 10 (4), 696-706.
Korunka, Ch. Frank, H. & Lueger, M. (2004). Die Bedeutung der Persönlichkeit für die Gründungsintention, die Gründungsrealisation, und den Unternehmenserfolg. Zeitschrift für Psychologie, 212(1), 25-39.




You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017