Thesen zur Wirkung von Gewalt in dem Medien
3. Dezember 2009 – 16:09
- Eine der ältesten Thesen zur Wirkung von Gewalt ist die Katharsisthese, bereits Aristoteles zurückgeht und unterstellt, dass der Mensch über einen natürlichen „Aggressionstrieb“ verfügt, den er gelegentlich ausleben muss. Dieses Ausleben erfolgt jedoch nicht notwendigerweise in Form realer aggressiver Handlungen, sondern kann auch in der eigenen Phantasie vollzogen werden. So kann das Beobachten und gedankliche Miterleben dargestellter Gewalt helfen, den eigenen Aggressionstrieb abzuleiten, und so reale Aggression mindern.
- Ebenfalls von einer Verminderung aggressiven Verhaltens durch die Rezeption gewalthaltiger Medien geht die Inhibitionsthese aus, die im Gegensatz zur Katharsisthese unterstellt, dass durch die Rezeption gewalthaltiger Medieninhalte Angst ausgelöst wird, wodurch insgesamt die Bereitschaft zu aggressiven Handlungsweisen gehemmt wird.
- Die Habitualisierungsthese besagt, dass durch den ständigen Konsum von Mediengewalt insgesamt die Sensibilität gegenüber jeglicher auch realer Gewalt abnimmt, d.h., im Laufe der Zeit wird aggressives Verhalten als völlig „normal“ angesehen
- Die Suggestionsthese unterstellt, dass die Beobachtung von Mediengewalt beim Rezipienten direkt zu einer Nachahmungstat führt – manchmal auch auch als „copycat“-Effekt oder beim Selbstmord als „Werther-Effekt“ bezeichnet.
- Nach der Stimulationsthese führt das Ansehen bestimmter von Gewalt unter besonderen personenspezifischen und situativen Bedingungen zu einer Zunahme realen aggressiven Verhaltens.
- Die Excitation-Transfer-Theorie ist eine Spezifizierung der Stimulationshypothese , wobei es hier um sehr kurzfristige Effekte wie unspezifische emotionale Erregungszuständegeht, die wie ein „Triebpotenzial“ wirken.
- Die Rechtfertigungsthese postuliert einen umgekehrter Zusammenhang zwischen Mediengewalt und aggressivem Verhalten, dass nämlich aggressive Menschen deshalb violente Programminhalte konsumieren, weil sie so ihr eigenes, reales Verhalten als „normal“ rechtfertigen können.
- Der Theorie des sozialen Lernens zufolge resultiert Verhalten aus einer Wechselwirkung von Person und Umwelt, wobei Erwartungen und Modelllernen eine wichtige Rolle spielen.
In der Forschung herrscht inzwischen weitgehende Einigkeit darüber, dass der Zusammenhang zwischen Mediengewalt und Auswirkungen beim Rezipienten durch verschiedene Einflussfaktoren moderiert wird, die den Medieninhalt, die Person des Rezipienten und dessen soziales Umfeld betreffen. Diese Moderation besteht einerseits in Form einer Abschwächung der direkten Medienwirkung, andererseits in einer Verstärkung der physischen und psychischen Gewalt beim Rezipienten.
In Bezug auf den Inhalt sind v. a. Ausmaß und Grad der expliziten Darstellung von Gewalt, die Attraktivität des Gewalttäters, die Rechtfertigung von Gewalt und die Konsequenzen für die Täter, die Darstellung negativer Auswirkungen von Gewalt für das Opfer, die Darstellung von Waffen, der Realitätsgehalt, ein evtl. humorvoller Kontext sowie das Genre zu berücksichtigen. Bei den Personenvariablen sind v. a. Faktoren wie Alter, Geschlecht, sozioökonomischer Status, intellektuelle Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften (v. a. Aggressivität) untersucht worden. Im Hinblick auf das soziale Umfeld sind v. a. die Einflüsse von Familie, Schule und Peer-Groups sowohl im Hinblick auf den Medien(gewalt)konsum als auch auf die Vermittlung realer Gewalterfahrungen relevant.