Ironic process theory

Daniel Wegner (Harvard University, Cambridge) fasst in einer Überblicksstudie (2009) den Forschungsstand zu seiner „Ironic process theory“ (1994) zusammen, in der erklärt werden soll, warum Menschen manchmal in unpassenden Situationen mit genau denjenigen Wahrheiten herausplatzen, die sie eigentlich mit aller Macht geheimhalten wollen. Es ist offenbar gedanklicher Stress, der diese Fehlleistungen auslöst, also eine kognitive Belastung in Kombination mit einer Schwäche im System.
Zwei Prozesse laufen nach Wegners Ansicht dabei ab: einerseits sucht das Gehirn aktiv nach einer Ersatzbeschäftigung, um das „Verbotene“ nicht aussprechen zu müssen, also etwa im Zimmer umherzuschauen, an etwas anderes, Unverfängliches zu denken, andererseits aber hält das Gehirn den unerlaubten Gedanken heimlich bereit und sucht unbewusst alle anderen Denkprozesse danach. Wer z.B. beim Schlafengehen Negatives aus seinem Bewusstsein vertreiben will, wird häufiger in Träumen davon heimgesucht, , als jemand der das „Vermeiden vermeidet“.

Literatur
Wegner, D. (2009). How to Think, Say, or Do Precisely the Worst Thing for Any Occasion. Science, 325, 48-50.
Wegner, D. (2009). Ironic Processes of Mental Control. Psychological Review, 101, 34-52.




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