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Unbedingt Normalzeit als Standardzeit einführen, d. h., die aktuelle Winterzeit

Mitten im tiefsten Winter wurde mir endlich bewusst, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.
Albert Camus

Die Mehrheit der Europäer befürwortet zwar die Abschaffung der Zeitumstellung und bevorzugt dabei die Sommerzeit, doch die Winterzeit entspricht eher der inneren Uhr des Menschen. Die Sommerzeit ist kein natürliches Ereignis, sondern ein politischer Beschluss, der die innere Uhr immer wieder aus dem Takt bringt. Dabei entspricht die Winterzeit, also die natürliche Zeit, dem menschlichen Biorhythmus, der den Schlaf, den Herzschlag und die Stimmung beeinflusst. Derzeit ist die Sommerzeit populär, denn mit ihren hellen Abenden bietet sie einen starken psychologischen Effekt, wobei viele Menschen glauben, dass sie die Sommerzeit gar nicht beeinflusst. Doch allen gefühlten individuellen Wahrnehmungen zum Trotz belegen weltweit Studien die schädigenden Folgen durch eine Sommerzeit, angefangen von metabolischen Erkrankungen bis hin zu psychischen Problemen. Die Entscheidung, die Uhren umzustellen, greift in das biologische Zeitsystem ein, denn die Mehrheit startet dann müde in den Tag und lebt gegen ihre innere Uhr.

Beinahe alle Schlafforscher sind daher für eine Abschaffung der Zeitumstellung, wobei die Winterzeit am besten der inneren Uhr entspricht, sodass davor gewarnt werden muss, die permanente Sommerzeit einzuführen. Bei permanenter Sommerzeit muss man nach Ansicht von Experten deutlich häufiger im Dunkeln aufstehen, was die Wahrscheinlichkeit für Diabetes und Depressionen erhöht, wodurch zusätzlich Schlaf- und Lernprobleme erzeugt werden, die wiederum die Leistungsfähigkeit einschränken. Die meisten Schlafforscher plädieren daher dafür, die Sommerzeit gänzlich abzuschaffen, denn Licht und Dunkelheit bestimmen, wann Menschen wach und wann sie müde werden. Die Normalzeit entspricht nach der Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin wesentlich besser dieser inneren Uhr. Das ist auch der Grund, weshalb es den meisten Menschen deutlich schwerer fällt, sich auf die Sommerzeit einzustellen, als den Körper im Winter wieder an die Normalzeit zu gewöhnen.

Besonders Schulkinder und Studenten, die das Gelernte bei einem chronischen Schlafmangel nicht genügend verarbeiten können, leiden unter einer permanenten Sommerzeit. Vor allem Österreich muss sich im Fall einer permanenten Umstellung auf Sommerzeit auf dunkle Wintervormittage einstellen, denn in Wien würde am 21. Dezember, dem kürzesten Tag des Jahres, erst um 8.43 Uhr die Sonne aufgehen, in Bregenz um 9.06 Uhr. Gleiches gilt allerdings auch für die heißen Monate: Während es in Wien im Juni während der Sommerzeit bis um kurz vor fünf Uhr dunkel bliebe, müsste man sich in der Normalzeit bereits gegen vier Uhr früh auf die ersten Sonnenstrahlen einstellen.

Die Termine der nächsten Umstellungen Sommerzeit-Winterzeit:

Jahr

Sommerzeit

Winterzeit

Umstellung (+1) Umstellung (-1)
2024 31.03., 02:00 27.10., 03:00
2025 30.03., 02:00 26.10., 03:00
2026 29.03., 02:00 25.10., 03:00
2027 28.03., 02:00 31.10., 03:00
2028 26.03., 02:00 29.10., 03:00
2029 25.03., 02:00 28.10., 03:00

sommerzeit winterzeit

Literatur

Stangl, W. (201). Der Jet lag – Sommerzeit – Winterzeit _ Umstellung. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Jet-lag.shtml (2018-10-27).




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2 Gedanken zu „Unbedingt Normalzeit als Standardzeit einführen, d. h., die aktuelle Winterzeit“

  1. Eva Winnebeck, Schlafforscherin

    Sommerzeit oder Winterzeit ist mehr als eine individuelle Lifestyle-Entscheidung, sie hat weitreichende Konsequenzen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der ganzen Gesellschaft. Daher sollte solch eine Entscheidung meiner Meinung nach auf gründlichen Abwägungen unter Einbeziehung von jeweiligen Fachexperten getroffen werden und nicht aufgrund von unrepräsentativen Umfragen. Aus Sicht der Schlafforschung ist die Winterzeit klar zu bevorzugen, denn eine dauerhafte Sommerzeit würde den enormen Schlafmangel und sozialen Jetlag in unserer Gesellschaft nur noch mehr verstärken – mit weitreichenden Konsequenzen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von uns allen.“ Eva Winnebeck, Schlafforscherin, Technische Universität München und Helmholtz Zentrum München, im Interview mit ardalpha.de im März 2022.

  2. Chronobiologe Till Roenneberg

    Der Chronobiologe Till Roenneberg erforscht etwa den Einfluss des Lichts auf den Tagesrhythmus des Menschen und die Funktionsweise der inneren Uhr, also die innere Repräsentation des Zeitraums Tag, dem 24-Stunden-Ablauf von hell und dunkel, ein biochemischer Prozess, der sich in Zellen abspielt, wobei jede Zelle ihre eigene Innere Uhr besitzt. Diese Innere Uhr ist auch davon abhängig, wie stark der Unterschied zwischen Licht und Dunkel ist, d. h., bei jemandem, der im Büro arbeitet, ist die Lichtintensität tagsüber und abends recht ähnlich, sodass diese Licht- und Dunkelheit-Schwäche dazu führt, dass die innere Uhr früher oder später werden muss, damit sie richtig geht. Die Zeitumstellung hat ein Merkmal in die Welt gerufen, das „Social Jetlag“ heißt, der die Diskrepanz zwischen dem, was die Innere Uhr will, und dem, was die soziale Uhr will beschreibt. Alle Studien zeigen, dass der Social Jetlag Folgen für die Gesundheit hat, denn durch diesen sozialen Jetlag wird man dicker, dümmer und depressiver. Der Social Jetlag bezieht sich nicht nur auf die Sommerzeit sondern auf den gesamten Alltag, auf jede Art von Missmatch, also dem Missverhältnis zwischen dem, was die Innere Uhr will, und dem, was der Arbeitgeber oder die Schule oder die Gesellschaft will. Aber dadurch, dass Menschen ab Ende März plötzlich eine Stunde früher aufstehen müssen, erhöhen sich dieses „Missmatch“ über die folgenden sieben Monate hinweg. Siehe dazu https://lexikon.stangl.eu/9934/chronotypus.

    Quelle
    https://www.merkur.de/bayern/zeitumstellung-uhr-bayern-corona-sozial-jetlag-schaden-gesundheit-muenchen-news-zr-90263526.html (21-03-28)

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