Probleme bei Stress: Dysfunktionale Stressverarbeitung

Stress kann produktiv stimulieren oder die psychische und somatische Gesundheit schädigen, wobei entscheidend ist, wie der Mensch mit dem Stress umgeht, denn eine dysfunktionale Stressverarbeitung kann auf Dauer psychosomatische Erkrankungen auslösen. Schulz unterscheidet mehrere Formen ungünstiger Stressverarbeitung:

  • Regulationsdefizite: Ein Mensch fühlt sich z.B. bei seinen Aufgaben überfordert, wenn ihm etwa die wirkliche Motivation fehlt, doch ändert er weder etwas an der Motivation noch an den Aufgaben oder an seiner Vorgehensweise.
  • Überregulation: Der Mensch hält hartnäckig an offensichtlich nicht erreichbaren oder nicht sinnvollen Zielen bzw. überhöhten Standards fest, meist verbunden mit der Bereitschaft, sich selbst noch mehr anzustrengen. Dies führt zwangsläufig zur Erschöpfung von Ressourcen, wobei Überregulation auch oft durch planloses Agieren gekennzeichnet ist, wodurch zusätzliche psychische Kosten und oft neue Probleme entstehen. Bei der Überregulation ist hinsichtlich der Affektkontrolle oft ein gereizt-aggressives Ausagieren oder Abreagieren von affektiven Stressreaktionen sowie eine mangelhafte Impulskontrolle zu beobachten, d. h., ständiges Klagen, Vorwürfe, Beschimpfungen oder schlechte Laune. Da das Abreagieren von Affekten von manchen Menschen durchaus auch lustvoll erlebt wird und physiologisch aktivierend wirkt, besteht zugleich die Gefahr einer Chronifizierung.
  • Bei der Minderregulation werden Ziele vorzeitig mit widersprüchlichen Empfindungen aufgegeben, etwa in Form von Vermeiden oder Hinausschieben der Anforderungen (Prokrastination), aber auch durch das Abbrechen von sozialen Interaktionen oder das Verschweigen der eigene Meinung. Zur Verringerung des Erfolgsdrucks werden letztlich vergebliche Versuche unternommen, mögliche Gefährdungen zu leugnen, zu ignorieren, auszublenden, bis hin zu realitätsfernen Wunschphantasien. Minderregulation beim Umgang mit affektiven Stressreaktionen bedeutet aber auch, seine Empfindungen zu unterdrücken und in sich hineinzufressen, um sich nichts anmerken zu lassen, was ebenfalls zu psychosomatischen Symptomen führen kann.



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