Wie beeinflussen Routinen das Entscheidungsverhalten?

Der Einfluss der Routine auf eine Entscheidung wurde in der Psychologie lange vernachlässigt. Es ist jedoch so, dass die Routine eines Menschen auf jeden einzelnen Entscheidungsprozess große Auswirkung hat. Untersuchungen zeigen, wie sehr Routine unsere Entscheidungen beeinflusst und unter welchen Bedingungen wir mehr oder weniger bereit sind, von der Routine abzuweichen.

Bis zum Ende der 70er Jahre wurde die Routine in der Entscheidungsforschung eher vernachlässigt. Ab diesem Zeitpunkt beschäftigten sich jedoch immer mehr Forscher mit diesem Thema. Den Beginn machte das Kontingenzmodell von Beach und Mitchel (1978), welches besagt, dass die Wahl der Strategie, welche wiederum zwischen Informationsinput und Entscheidungsregel unterscheidet, unter Berücksichtigung des Zusammenhangs (Kontexts) stattfindet. Obwohl man zwar der Handlungserfahrung einen gewissen Stellenwert anerkannte, wurde der Routine erst in die 90er Jahre eine zentrale Bedeutung bei der Entscheidungsfindung zugestanden (vgl. Betsch 2005, S.262f).

Einflussfaktoren auf die Routinen
Um bei neuen Entscheidungen eine Lösung zu erhalten müssen wir verfügbare Alternativen finden, vergleichen und bewerten um eine Wahl treffen zu können. Meist hat eine der Alternativen ihren Ursprung in der Routine. Doch was beeinflusst unsere Wahl und in welchen Fällen entscheiden wir uns für oder gegen unsere Routine (vgl. Betsch 2005, S.263).

Informationssuche
Je nach Ausprägung der Routine verändert sich auch die Informationssuche. Dies kann bei starker Routine einerseits zu einer stark verkürzten Suche, aber auch zu unangebrachten oder falschen Nachforschungen führen. So zeigte ein Versuch von Betsch und Kollegen (Betsch, Glöckner, Haar & Fiedler, 2001, Exp. 2), dass Personen mit starker Routine in der Informationsbeschaffung zu Informationen greifen die ihre Routine bekräftigen und gleichzeitig Beweise gegen die alternativ angebotenen Lösungsvorschläge suchen (vgl. Betsch 2005, S.264).

Zeitdruck
Abhängig vom Zeitdruck wechselt der Entscheidungsträger zwischen kompensatorischen und non-kompensatorischen Suchkriterien. So wendet ein Entscheider bei geringem oder gar keinem Zeitdruck eine kompensatorische Strategie an. Das heißt er sucht zu jeder Alternative mehrere unterschiedliche Eigenschaften und die dazugehörigen Vor- und Nachteile um sich so ein Gesamtbild über die Qualität der Alternative zu beschaffen. Erst danach widmet er sich dem nächsten Vorschlag um zum Schluss alle Ergebnisse zu vergleichen. Wenn der Entscheider jedoch unter Zeitdruck steht fokusiert er seine Suche auf eine bzw. wenige Eigenschaften pro Alternative und vergleicht die Eigenschaften direkt. So vergleicht er zum Beispiel nur den Preis von verschiedenen Produkten ohne auf die Qualität einzugehen. So kann es kommen, dass die gegen die Routine sprechenden Kriterien gar nicht erst analysiert werden (vgl. Betsch 2005, S.265).

Häufigkeit der angewendeten Routine vs. Neuartigkeit der Entscheidungssituation
Weiters wurde durch Betsch und Kollegen (Betsch et al., 2001) bewiesen, dass eine in der Vergangenheit häufig angewendete Routine, trotz deutliche Gegenevidenz bei der Entscheidungslösung bevorzugt wird.
Auch im Bezug auf die Neuartigkeit der Entscheidungssituation zeigte eine Untersuchung von Betsch, Fiedler und Birkenmann (1198), dass die Probanten bei unbekannten Situationen in die Routine ausweichen. Dieses Verhalten wird verstärkt, wenn zusätzlich die Komponente Zeitdruck gegeben ist (vgl. Betsch 2005, S.265).

Negativer Auswirkungen auf die Routine
Negativ auf die Anwendung der Routine wirkt sich hauptsächlich die bereits gemachte negative Erfahrung aus. Dies trifft vor allem zu, wenn die Entscheidung für die Routine bereits in mehreren Situationen zu Misserfolgen geführt hat (vgl. Betsch 2005, S.266).

Feedback
Menschen lernen nach Fehlentscheidungen aus ihren Fehlern. Förderlich ist hierfür ein produktives Feedback. Wenn dieses jedoch fehlt oder uneindeutig ist, führt dies zu der Aufrechterhaltung der „falschen“ Routine und in späterer Folge zu erneuten Fehlentscheidungen (vgl. Betsch 2005, S.267).

Verwendete Literatur
Betsch, Tilmann (2005). Wie beeinflussen Routinen das Entscheidungsverhalten? Psychologische Rundschau, 56, 261-270.

Siehe dazu auch Routine und Entscheidung




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