Mütterliche Erziehungspraktiken und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern im Vorschulalter

An 183 Kindern im Alter von 48-72 Monaten wurde in einer Studie von Schreyer-Mehlhop & Petermann (2011) der Zusammenhang des mütterlichen Erziehungsverhaltens mit externalisierenden bzw. internalisierenden Verhaltensauffälligkeiten von Kindern untersucht. Die Kinder stammten aus 18 Kindergärten, zu gleichen Teilen aus sozial schwachen wie aus sozial bevorzugten Stadtteilen. 48 Kinder wiesen Migrationshintergründe auf. Es zeigt sich, dass geringe Aufmerksamkeit und inkonsistente bzw. bestrafende Erziehungspraktiken signifikant positiv mit Verhaltensproblemen und Hyperaktivität korrelierten. Außerdem wirken sich positive Erziehungspraktiken der Mütter auf das prosoziale Verhalten der Kinder positiv aus, denn Kinder, deren Mütter weniger positive Erziehungspraktiken anwenden, hatten größere Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen. Auch hier wurde der Einfluss des Migrationsstatus sichtbar.

Die Studie von Schreyer-Mehlhop & Petermann (2011, S. 46) zeigte auch, dass Mütter von Mädchen häufiger positive Erziehungspraktiken anwenden als Mütter von Jungen, allerdings kann die Abhängig-keit des Erziehungsverhaltens zum Geschlecht auch verursacht durch die generellen Unterschiede im Verhalten von Jungen und Mädchen sein. Auch die Frage nach der Kausalität stellt sich, denn möglicherweise ist das Erziehungsverhalten nur eine Reaktion auf das Problemverhalten der Kinder. Die Untersuchung belegte außerdem, dass Mütter mit Migrationshintergrund vor allem in Bezug auf Jungen geringere Werte an positiven Erziehungspraktiken zeigen, allerdings muss dieses Ergebnis im Hinblick auf die kulturellen Hintergründe eventuell relativiert werden. Zu berücksichtigen ist bei der Interpretation ferner, dass hinsichtlich der Validität der Aussagen der Mütter keine unabhängigen Datenquellen vorlagen. Auch das sprachliche Verständnis der Mütter im Hinblick auf den Fragebogen und den damit verbundenen Antwortmöglichkeiten wurden nicht in vollem Umfang kontrolliert. Die Ergebnisse unterstreichen jedoch den Stellenwert von Erziehungskompetenz im Zusammenhang mit kindlichem Verhalten, da es in der Regel einfacher ist, die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten zu verhindern, als bereits vorherrschende Störungen zu behandeln.

Literatur

Schreyer-Mehlhop, I. & Petermann, U. (2011). Mütterliche Erziehungspraktiken und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern im Vorschulalter. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 43, 39-28.
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/Erziehung-Verhaltensauffaelligkeit.shtml (10-03-02)




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