Geschwisterbeziehungen: „Mittlere“ Kinder häufig benachteiligt

Matthias Wildermuth untersuchte die Realität und Bedeutung von Geschwisterbeziehungen innerhalb einer mittel- bis langfristigen kinder- und jugendpsychiatrischen stationären Behandlung. Er stellte fest: Geschwister, die zu zweit aufwachsen, unterstützen einander häufig. Kommen weitere Kinder hinzu, wächst das Konfliktpotenzial und sinkt der Zusammenhalt. Relativ oft unterstützen Schwestern ihre Brüder, eine Hilfe in umgekehrter Richtung ist seltener.
Geschwisterbeziehungen bleiben häufig unbeachtet und in der Therapie unbearbeitet, bemängelt der Kinder- und Jugendpsychiater. Ein intensives Umdenken hält er für notwendig. Seine Studie liefert dazu eine große Zahl von Einzelinformationen aus der Klinik, etwa:
Überhäufig werden mittlere Kinder beschuldigt, ältere oder jüngere Geschwister zu unerwünschtem Verhalten motiviert zu haben; mittlere Kinder „werden auch seltener als krank oder als Opfer anerkannt, was ihre emotional geschwächte Position gegenüber den Eltern aufzeigt.“
Kinder unter zwölf Jahren erleben mehr Geschwisterkonflikte als Ältere; denn im Lauf der Jahre nimmt das Interesse an der Familie ab, und die Beziehungen zu Freunden nehmen zu.
„Bei einem Geschwisterabstand über fünf Jahren sinkt die Rivalität, Konkurrenz und unmittelbare negative Beeinflussung erheblich. Ältere werden entweder idealisiert oder entziehen sich selbst schon den Kleineren. Positiv können sie jedoch auch Lehrer und gleichsam elterliche Unterstützer sein …“




  1. One Response to “Geschwisterbeziehungen: „Mittlere“ Kinder häufig benachteiligt”

  2. Ich habe zum Autor ein wenig recherchiert und daher habe ich eine Frage zu diesem Buch:

    Mit welchen Methoden „analysiert“ er Geschwisterbeziehungen? Wie beeinflusst seine „psychodynamische Weltsicht“ die Ergebnisse zur Geschwisterbeziehung?
    Oder nähert sich der Autor dem Thema mit allgemein gültigen Analysemethoden?

    By Monika Armand on Mrz 8, 2008

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